Zum Hauptinhalt springen

Report: YouTube-Kanal gehackt – was passiert und was man tun kann

| Joachim Sauer

Seite 1 von 4

Angriffe auf YouTube-Kanäle, respektive die dahinter liegenden Google-Konten werden, wie alle Cyberattacken insgesamt, immer mehr. Hier ein Ablauf des Angriffs auf VIDEOAKTIV und ein Report über das, was man tun kann, um die Hoheit über den Google-Account und YouTube-Kanal zurückzubekommen.

360 Grad Kameravergleich Titel

 

YouTube-Kanal gehackt:
das könnt Ihr jetzt tun

 

Jetzt ist es auch uns passiert: Der YouTube-Kanal von VIDEOAKTIV war gut eine Woche nicht erreichbar. Und um es hier gleich vorab zu sagen: Es war eine Phishing-Mail auf die ich reingefallen bin – gut getarnt als Anfrage von einer PR-Agentur, die angeblich im Namen eines großen Mikrofonherstellers agiert. Es war eine durchaus übliche Anfrage, die so fast wöchentlich reinkommt, gut formuliert in englischer Sprache. Wir haben darauf mit einer ähnlich standardisierten Akquise-Mail geantwortet. Soweit so normal, dass auch die dann deutlich weniger standardisierte Antwort der angeblichen PR-Agentur auch nicht aufviel. Was sie wollten: Weiter Daten zum YouTube-Kanal und die Option via einem Analyse-Tool auf den Kanal zu schauen. Zugegeben: Jetzt hätte der Alarm angehen müssen – keine Ahnung, warum ich nicht aufmerksam war – fakt ist: ich bin auf die Mail reingefallen und bin dem Link gefolgt: Angeblich zu Viral Nation, einer Agentur, die tatsächlich existiert und in diesem Geschäftsfeld tätig ist. Doch wie auch immer: Wir schildern hier nicht nur den Ablauf, sondern wollen hilfreiche Tipps liefern, die man heute befolgen kann, damit sich der Schaden in Grenzen hält und man im Krisenfall handlungsfähig bleibt. Wer über unsere Tipps hinaus schon schlauer ist, darf dies uns gerne mitteilen – wir schauen, dass wir dieses Wissen dann hier einarbeiten.

Joachim Sauer hat eine Woche lang gekämpft, um die Hoheit über Kanal von VIDEOAKTIV zurück zu bekommen. Da man im Nachhinein immer schlauer ist, hat er bereits während der gesamten Zeit das erlernte festgehalten und gibt im Video und im Artikel die wichtigsten Tipps weiter.

Hätte ich doch vorher besser recherchiert und hingeschaut, wäre klar gewesen: Der Link heißt zwar ähnlich wie die Agentur, führt aber zu einer „.digital“-Domain. Gerade wie ich die letzte Registrierung eingebe, fallen mir im Header des Fensters kyrillische Schriftzeichen auf. Doch da ist es schon zu spät – die ersten Mails von Google trudeln im Postfach ein: Alle Sicherheitsvorkehrungen werden deaktiviert, eine neue G-Mail-Adresse hinterlegt, meine Mobilfunknummer durch eine Nummer aus Griechenland ersetzt und das Passwort geändert. Innerhalb von neun Minuten haben die Hacker alle Einstellungen so gemacht, dass ich nicht mehr agieren kann. Die Google-Warnmails zeigen zwar den Weg der Hacker – geholfen hätten sie aber nur, wenn ich noch eine Chance gehabt hätte ins Konto zu kommen und das Konto zu deaktivieren. Obwohl ich bei der ersten Warn-E-Mail von Google bereits reagiert habe, geht also nichts mehr – denn als ersten Schritt haben die Hacker alle aktiven User aus dem Account geschmissen und das Passwort geändert. Ohne die Option auf den Account zuzugreifen, muss ich zuschauen, wie die Hacker als nächstes den YouTube-Kanal übernehmen.

360 Grad Kameravergleich GRIm Sekundentakt kommen Warnmeldungen von Google – doch letztlich kommen sie zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt haben die Hacker schon längst alle unsere Sicherheitsmaßnahmen deaktiviert und eigene Sicherheitsmaßnahmen hinterlegt.

Tipp

Hätte ich eine Chance gehabt, dagegen zu halten? Google hat einen Notfallplan, zu dem die Sicherheitsmaßnahmen wie Zwei-Faktor-Auhentifizierung, hinterlegte Telefonnummer und Passkey gehören. Doch alle Sicherheitsmaßnahmen waren vorhanden – und genauso schnell vom Hacker beseitigt. Insofern kann man sagen: Ja, bitte alle Sicherheitsmaßnahmen machen – und beim YouTube-Account auch einen weiteren Administrator hinterlegen. Aber im Ernstfall hilft das ganz offensichtlich nur wenig. Deshalb: Einfach weiterlesen…

VIDEOAKTIV Startseite Videos nicht verfuegbarDie Auswirkungen des Hackerangriffs waren auch auf VIDEOAKTIV sichtbar. Weil der YouTube-Kanal gelöscht wurde, waren für circa drei Tage keine Videos sichtbar. Weder auf der Startseite noch in unseren Artikeln. Bei knapp 900 Videos, die wir seit 2010 produziert haben, schmerzt das gewaltig.

Google Hilfe, Konto gesperrt und viel Geduld
Seite
Autor:
Joachim Sauer
Bildquellen:
Joachim Sauer, MEDIENBUREAU

Weiteres Internes

| Magazin Intern
Eine Insolvenz hinterlässt zwangsläufig Geschädigte – meist verlieren Banken und Investoren und Zulieferer Geld. Doch bei Teltec geht leider auch mancher Kunde leer aus.   Teltec Insolvenz in Eigenverantwortung: Wie sich die…
| Magazin Intern
Teltec ist im Handel kaum wegzudenken – und dennoch ist der größte Händler im Broadcast-Markt in einer Insolvenz in Eigenverwaltung. Wir wollten von Teltecs CEO Ralf Pfeffer wissen, warum, wie es weitergeht und welche Sicherheiten…
| Magazin Intern
Parallel zu den renommierten Biberacher Filmfestspielen öffnet die Stadtbuchhandlung Biberach im Herbst 2026 ihre Bühne und bringt das erste deutsche KI-Filmfestival an den Start. Filmeinreichungen sind ab sofort möglich.   Fünf…