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Eine Insolvenz hinterlässt zwangsläufig Geschädigte – meist verlieren Banken und Investoren und Zulieferer Geld. Doch bei Teltec geht leider auch mancher Kunde leer aus.
Teltec Insolvenz in Eigenverantwortung:
Wie sich die Insolvenz auswirkt
Teltec hat seinen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gerade vom Gericht genehmigt bekommen und startet damit nach einem Insolvenzplan in einen Neuanfang. Doch auch wenn es für Teltecs Zukunft zuerstmal ganz gut aussieht und die offizielle Eröffnung der Insolvenz in Eigenverwaltung ein positives Signal aussendet – ein einfacher Weg wird das nicht. Das weiß auch CEO Ralf Pfeffer, den wir aufgrund von einigen Rückmeldungen von Kunden mit der uns bekannten Sachlage konfrontiert haben. Ganz offensichtlich gibt es einige Kunden, die eine Equipmentbestellung per Vorkasse bezahlt haben und die Ware nicht mehr vor der Ankündigung der Insolvenz übernehmen konnten. Die freiberufliche Kamerafrau Luise Schröder war über 10 Jahre treue Kundin bei Teltec am Standort Berlin und wurde immer sehr gut von den Mitarbeitern beraten. Das Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern sowie dem Unternehmen war groß, so dass sie nie hinterfragt hat, warum die Bestellung nicht schon längst auch auf Rechnung funktioniert. Ralf Pfeffer verweist darauf, dass die überwiegende Mehrheit andere Zahlungsvarianten gewählt hat – allen voran auf Rechnung. Auch wer finanziert oder per PayPal bezahlt hat, genießt einen Käuferschutz. „Alle hatten die Option gefahrlos zu bestellen“, meint Ralf Pfeffer. Aufgrund der langen Geschäftsbeziehung hat Luise Schröder vertraut und per Vorkasse eine Sony FX6 inklusive dem entsprechenden Zubehör wie Sucherlupe, Baseplate, Rigging-Material und Akkus sowie Sachtler aktiv8T flowtech Stativ bezahlt – für über 10.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Wer selbstständig filmt, braucht nicht nur eine Kamera, sondern auch entsprechendes Zubehör. So kommen, wie hier im Beispiel bei der Sony FX3 mit Sachtler-Stativ und Speicherkarten, selbst bei kleinen Setups schnell hohe Kaufpreise zusammen.
Der Eingang der Zahlung wurde am 21.1 bestätigt, ab dem 26.01.2026 lag die Ware abholbereit bei Teltec. Doch zu diesem Zeitpunkt drehte Schröder im Ausland und teilt dies Teltec auch mit. Am 06.02 meldet Teltec dann die Insolvenz an, so dass der vereinbarte Übergabetermin am 17.02.2026 nicht mehr stattfand. Am 18.02 telefoniert Luise mit dem Teltec-Mitarbeiter, der auch am selben Tag per Mail bestätigt, dass die Ware im Abhollager mit ihrem Namen versehen für sie bereitsteht. Deshalb schickt ihr Anwalt an Teltec ein Einschreiben und fordert das sogenannte „Aussonderungsrecht“. Voraussetzungen für dieses „Aussonderungsrecht“ sind ein dingliches oder persönliches Recht am Gegenstand und dass sich dieser zur Zeit der Insolvenzeröffnung breits im Besitz des Käufers befindet und damit rechtlich nicht zur Insolvenzmasse gehört. Geprüft hat man bei Teltec zwangsläufig jeden Fall und Ralf Pfeffer betont, „dass hier der Verkäufer wie der Anwalt des Kunden im Haus arbeitet“.
VIDEOAKTIV interviewte bereits im April Teltecs CEO Ralf Pfeffer zur aktuellen Situation und zu Sicherheiten für interessierte Käufer.
Doch tatsächlich bringt das nichts – die Entscheidung treffen die beauftragten Insolvenzanwälte, die dem Aussonderungsrecht nicht zustimmen, da die Haftung für die Ware, selbst wenn sie intern bereitstand, noch nicht auf den Kunden übergegangen ist. Daran ändert dann auch ein Telefonat mit Teltec-Vorstand Steffen Schenk nichts, der Luise Schröder nur eine Neubestellung anbieten kann. Alternativ bleibt der Kamerafrau der Klageweg – der entsprechend teuer und realistisch eingeschätzt nur bedingt erfolgsversprechend ist. Zwei von uns befragten Insolvenzspezialisten sehen die Entscheidung der Teltec-Insolvenzanwälte als „höchstwahrscheinlich korrekt“ an – wenn auch schlicht ungerecht.
Ralf Pfeffer meint dazu: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden uns jeden Fall anschauen und schauen, was wir machen können.“ Doch weiter aus dem Fenster kann sich der Teltec-CEO nicht lehnen, denn für ihn gilt es jetzt erstmal den Insolvenzplan zu erfüllen – und dabei muss auch das Geld von Gläubigern gesichert werden. Zu diesen gehört nun auch Luise Schröder und Daniel Waldhecker, der mit 5.000 Euro deutlich glimpflicher davongekommen ist. Schmerzlich ist es dennoch, zumal sein Teltec-Berater bei dieser Bestellung nochmal auf Vorkasse bestanden hat, denn Waldhecker hat als ehemaliger Studioleiter zwar eine lange Kundenbeziehung zu Teltec, ist aber erst relativ kurz selbstständig. Sein Eizo-Monitor und Grading-Zubehör standen ebenfalls beim Berater zur Abholung bereit – durften dann aber nicht herausgegeben werden. Auch er berichtet von einem Telefonat mit Steffen Schenk und einer „wagen Aussicht, dass nach der Insolvenz etwas machbar ist“. Doch solange können weder Schröder noch Waldhecker warten, denn ohne Arbeitswerkzeug gibt es keine Aufträge. Entsprechend haben beide noch einmal bestellt – aber nicht bei Teltec.