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Teltec-Insolvenz: nicht schmerzfrei für manche Kunden

| Joachim Sauer

Eine Insolvenz hinterlässt zwangsläufig Geschädigte – meist verlieren Banken und Investoren und Zulieferer Geld. Doch bei Teltec geht leider auch mancher Kunde leer aus.

360 Grad Kameravergleich Titel

 

Teltec Insolvenz in Eigenverantwortung:
Wie sich die Insolvenz auswirkt

 

Teltec hat seinen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gerade vom Gericht genehmigt bekommen und startet damit nach einem Insolvenzplan in einen Neuanfang. Doch auch wenn es für Teltecs Zukunft zuerstmal ganz gut aussieht und die offizielle Eröffnung der Insolvenz in Eigenverwaltung ein positives Signal aussendet – ein einfacher Weg wird das nicht. Das weiß auch CEO Ralf Pfeffer, den wir aufgrund von einigen Rückmeldungen von Kunden mit der uns bekannten Sachlage konfrontiert haben. Ganz offensichtlich gibt es einige Kunden, die eine Equipmentbestellung per Vorkasse bezahlt haben und die Ware nicht mehr vor der Ankündigung der Insolvenz übernehmen konnten. Die freiberufliche Kamerafrau Luise Schröder war über 10 Jahre treue Kundin bei Teltec am Standort Berlin und wurde immer sehr gut von den Mitarbeitern beraten. Das Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern sowie dem Unternehmen war groß, so dass sie nie hinterfragt hat, warum die Bestellung nicht schon längst auch auf Rechnung funktioniert. Ralf Pfeffer verweist darauf, dass die überwiegende Mehrheit andere Zahlungsvarianten gewählt hat – allen voran auf Rechnung. Auch wer finanziert oder per PayPal bezahlt hat, genießt einen Käuferschutz. „Alle hatten die Option gefahrlos zu bestellen“, meint Ralf Pfeffer. Aufgrund der langen Geschäftsbeziehung hat Luise Schröder vertraut und per Vorkasse eine Sony FX6 inklusive dem entsprechenden Zubehör wie Sucherlupe, Baseplate, Rigging-Material und Akkus sowie Sachtler aktiv8T flowtech Stativ bezahlt – für über 10.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

MedienBureauc Sony FX3 1035267Wer selbstständig filmt, braucht nicht nur eine Kamera, sondern auch entsprechendes Zubehör. So kommen, wie hier im Beispiel bei der Sony FX3 mit Sachtler-Stativ und Speicherkarten, selbst bei kleinen Setups schnell hohe Kaufpreise zusammen.

Der Eingang der Zahlung wurde am 21.1 bestätigt, ab dem 26.01.2026 lag die Ware abholbereit bei Teltec. Doch zu diesem Zeitpunkt drehte Schröder im Ausland und teilt dies Teltec auch mit. Am 06.02 meldet Teltec dann die Insolvenz an, so dass der vereinbarte Übergabetermin am 17.02.2026 nicht mehr stattfand. Am 18.02 telefoniert Luise mit dem Teltec-Mitarbeiter, der auch am selben Tag per Mail bestätigt, dass die Ware im Abhollager mit ihrem Namen versehen für sie bereitsteht. Deshalb schickt ihr Anwalt an Teltec ein Einschreiben und fordert das sogenannte „Aussonderungsrecht“. Voraussetzungen für dieses „Aussonderungsrecht“ sind ein dingliches oder persönliches Recht am Gegenstand und dass sich dieser zur Zeit der Insolvenzeröffnung breits im Besitz des Käufers befindet und damit rechtlich nicht zur Insolvenzmasse gehört. Geprüft hat man bei Teltec zwangsläufig jeden Fall und Ralf Pfeffer betont, „dass hier der Verkäufer wie der Anwalt des Kunden im Haus arbeitet“.

360 Grad Kameravergleich GRVIDEOAKTIV interviewte bereits im April Teltecs CEO Ralf Pfeffer zur aktuellen Situation und zu Sicherheiten für interessierte Käufer.

Doch tatsächlich bringt das nichts – die Entscheidung treffen die beauftragten Insolvenzanwälte, die dem Aussonderungsrecht nicht zustimmen, da die Haftung für die Ware, selbst wenn sie intern bereitstand, noch nicht auf den Kunden übergegangen ist. Daran ändert dann auch ein Telefonat mit Teltec-Vorstand Steffen Schenk nichts, der Luise Schröder nur eine Neubestellung anbieten kann. Alternativ bleibt der Kamerafrau der Klageweg – der entsprechend teuer und realistisch eingeschätzt nur bedingt erfolgsversprechend ist. Zwei von uns befragten Insolvenzspezialisten sehen die Entscheidung der Teltec-Insolvenzanwälte als „höchstwahrscheinlich korrekt“ an – wenn auch schlicht ungerecht.

Aber auf Gerechtigkeit ist bei einer Insolvenz wenig Verlass und schmerzfrei ist am Ende für keine der beteiligten Parteien - außer für die Insolvenzrechtler. 

Ralf Pfeffer meint dazu: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden uns jeden Fall anschauen und schauen, was wir machen können.“ Doch weiter aus dem Fenster kann sich der Teltec-CEO nicht lehnen, denn für ihn gilt es jetzt erstmal den Insolvenzplan zu erfüllen – und dabei muss auch das Geld von Gläubigern gesichert werden. Zu diesen gehört nun auch Luise Schröder und Daniel Waldhecker, der mit 5.000 Euro deutlich glimpflicher davongekommen ist. Schmerzlich ist es dennoch, zumal sein Teltec-Berater bei dieser Bestellung nochmal auf Vorkasse bestanden hat, denn Waldhecker hat als ehemaliger Studioleiter zwar eine lange Kundenbeziehung zu Teltec, ist aber erst relativ kurz selbstständig. Sein Eizo-Monitor und Grading-Zubehör standen ebenfalls beim Berater zur Abholung bereit – durften dann aber nicht herausgegeben werden. Auch er berichtet von einem Telefonat mit Steffen Schenk und einer „wagen Aussicht, dass nach der Insolvenz etwas machbar ist“. Doch solange können weder Schröder noch Waldhecker warten, denn ohne Arbeitswerkzeug gibt es keine Aufträge. Entsprechend haben beide noch einmal bestellt – aber nicht bei Teltec.


Um ein Stimmungsbild einzuholen, haben wir mit Thomas Mau, Geschäftsführer der Firma Mediatec gesprochen, der von einer deutlich belebten Nachfrage berichtet – auch von direkt Geschädigten, wie Luise Schröder. „Einige haben den Warenwunsch reduziert und nur noch das Herzstück, wie beispielsweise die Kamera, genommen, aber auf ein neues Stativ oder begleitendes Equipment verzichtet.“ Das bestätigt auch Luise Schröder, die vorerst mit dem alten Stativ weiterarbeitet. „Natürlich teilt nicht jeder Besteller mit, ob er bereits bei Teltec bestellt hatte“, merkt Thomas Mau an. Dass diese Mediatec-Neukunden nun nichtmehr gerne per Vorkasse bezahlen, muss man kaum erwähnen. „Wir sind zum Teil auf PayPal mit dem Käuferschutz ausgewichen und konnten bei einigen nach intensiver Prüfung die Bezahlung per Rechnung anbieten.“ Für Schröder und Waldhecker ist dabei besonders ärgerlich, dass sie bisher für von Teltec nicht gelieferte Ware nur eine Proforma-Rechnung haben. „So kann ich noch nicht man die bezahlte Mehrwertsteuer geltend machen und der Schaden ist damit noch höher als er sein müsste,“ ärgert sich Daniel Waldhecker.

Teltec Geschaedigte MediatecMediatec ist einer der wenigen verbliebenen Konkurrenten zu Teltec. Wir haben bei CEO Thomas Mau (Bild) nachgefragt, inwieweit sich die Teltec-Insolvenz auf das Geschäft auswirkt.

Ralf Pfeffer ist der Schmerz über den Ablauf deutlich anzumerken: „Jahrzehnte haben wir das Vertrauen der Kunden aufgebaut“, betont er. „Wir streben an, das Insolvenzverfahren im Laufe des Jahres hinter uns lassen zu können“ und will dann „auch die verlorenen Kunden zurückgewinnen“. Das dürfte mit Geschädigten wie Schröder und Waldhecker schwer werden, auch wenn Eigenverwaltungsverfahren überdurchschnittlich häufig zu Insolvenzplänen führen, deren erklärtes Ziel eine bessere Gläubigerbefriedigung gegenüber der Regelinsolvenz ist. Eine einheitliche „durchschnittliche Befriedigungsquote“ speziell für Insolvenzen in Eigenverwaltung wird in der amtlichen Statistik nicht gesondert ausgewiesen. In der Praxis liegen die Quoten in Eigenverwaltung mit Insolvenzplan häufig im Bereich von etwa 10bis 30Prozent, in gut vorbereiteten Fällen auch darüber. Bei Frank Langer vom Regionalsender Glückauf-TV ist der Schaden mit einer bezahlten, aber nicht gelieferten DJI Osmo Action 6 recht klein. „Alles andere kam noch rechtzeitig vor der Insolvenz. Es wurde auch offen, ehrlich und persönlich durch meinen Verkäufer auf das Thema eingegangen. Wird schon werden“, ist deshalb sein Resümee.

DJI Osmo Action6 GRFrank Langer von Glückauf-TV muss lediglich auf eine bestellte DJI Osmo Action 6 verzichten. Was diese Kamera im Vergleich zur Konkurrenz kann, haben wir bereits getestet.

 

FAZIT

Joachim Sauer VIDEOAKTIV Autor

Die Marktsituation ist derzeit insgesamt schwierig, weshalb es letztlich zur Insolvenz von Teltec kam. Doch es ist kaum anzunehmen, dass sich diese Marktsituation noch dieses Jahr plötzlich ändert. Entsprechend bleibt es bei wenig Fahrwasser unter dem Kiel und Teltec muss schauen, wie man den Kahn wieder in etwas tieferes Fahrwasser steuert. Dazu ist aber auch ein gewaltiger Kraftakt mit klarer Kommunikation nötig. Die Insolvenzanwälte müssen die Zukunft des Unternehmens im Blick haben und deshalb wenigsten den Schaden für die geschädigten Kunden so klein wie möglich halten. Formalien, wie eine fehlende Rechnung, die einen Vorsteuerabzug möglich macht, fördert nicht das Vertrauen und die künftige Marktposition. Immerhin handelt es sich für einige Kunden um eine Existenzbedrohnde Lage, die man so weit es geht abmildern muss. Entsprechend liegt es nun an Teltec einerseits möglichst sachlich mit den Geschädigten umzugehen, anderseits ihre Mannschaft beieinander zu halten. Kunden und Mitarbeiter sind das Rückgrat des Handelshauses. Wenn Teltec Fachpersonal abwandert wird es auch abwandernde Kunden geben.

Ganz prinzipiell können wir nur festhalten: Die Bezahlung per Vorkasse ist bei größeren Bestellungen durchaus üblich – bleibt aber gefährlich. Es liegt auch in der Verantwortung des Verkäufers Kunden nicht unnötig lange diesem Risiko auszusetzen. Kunden sollten wenigstens gut verhandeln und, wenn überhaupt, nur eine Teilzahlung vorausleisten. Damit hat der Händler sein Risiko besser abgesichert und der Kunde geht ein geringeres Risiko ein. Die Alternativen sind die Bezahlung via Finanzdienstleister wie PayPal sowie das Leasing, bei der Leasinggeber in den Vertrag eintritt und somit das Risiko für den eigentlichen Nutzer übernimmt.

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Autor:
Joachim Sauer
Bildquellen:
Sony, Smallrig, Eizo, MEDIENBUREAU

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