Smartphone-Gimbal-Test: DJI Osmo Mobile 8P – das Profi-Gimbal für Content Creation
| Joachim Sauer
Nicht wirklich neu ist das Smartphone-Gimbal Osmo Mobile 8P – aber es hat mit einer abnehmbaren Bedieneinheit ein überarbeitetes Nutzungskonzept, besseres Objekt-Tracking und höhere Stabilisierung.
IM TEST: DJI Osmo Mobile 8P (Creator Combo), 219 Euro getestet mit OM Magnetic Quick Release Mount, 19 Euro
Die Dichte der DJI-Produktneuheiten ist schon fast beeindruckend, wobei man festhalten darf, dass der derzeit stark dominierende Kamera- und Zubehörhersteller sich dennoch einem verstärkten Konkurrenzkampf entgegenstemmen muss. Das trifft auf Einsteiger-Drohnen zu, aber eben auch auf Smartphone-Gimbals. Beides sind Produkte, die eher in den Massenmarkt gehören – auch wenn DJI beim neuen Osmo Mobile 8P mit Profiambitionen wirbt. Das Rad neu erfinden will DJI mit dem Gimbal nicht – schließlich basiert es eindeutig auf dem Namensvetter Osmo Mobile 8. Mit dem angehängten „P“ im Namen verändert sich in erster Linie die Bedienung, die nun nicht mehr fest in den Griff integriert, sondern aufgesetzt ist. Damit wird der Bildschirm größer und lässt sich samt dem Joystick und der daneben befindlichen Aufnahmetaste abnehmen – und somit das Gimbal und die Kamerafunktionen aus der Ferne kontrollieren. Außerdem verspricht man eine bessere Stabilisierung und ein optimiertes Tracking. Wir haben die Funktionen selbst getestet und zudem die Marketing-Expertin eines Sporthändlers, Vivien Peschke, eingeladen sich ein Bild davon zu machen, ob es für deren Social-Media-Aktivitäten die richtige Basis ist. Unser Test liefert damit die wichtigsten Antworten auf die häufigsten Fragen.
Vivien Peschke und Joachim Sauer haben das Osmo Mobile 8P in unterschiedlichen Einsatzgebieten getestet. Wir liefern damit einen Praxistest mit Antworten auf die wichtigsten Fragen.
DIE HARDWARE
DJI hat uns wieder die höchste Ausstattungsvariante zum Test zur Verfügung gestellt – entsprechend ist hier neben dem Gimbal auch das OM Multifunktionsmodul 2 als auch das Mic Mini 2 inklusive Smartphone-Empfänger enthalten. Auch wenn das Gimbal auf dem Osmo Mobile 8 bassiert ist der Griff komplett neu. Dabei sind die unten ausziehbaren Stativbeine dünner – aber länger geworden. Die Bedieneinheit ist nicht mehr ganz so ergonomisch in den Griff integriert – dafür aber abnehmbar. Unverändert ist dagegen das Gimbal an sich, das man um gute 20 Zentimeter aus dem Griff herausziehen kann. Hier hätten wir uns noch gut und gerne die doppelte Länge gewünscht. Neu ist zudem das OM Multifunktions-Modul 2, das nun weniger kompakt ist, aber weiterhin ein LED-Fülllicht sowie eine Kamera beinhaltet. Letzere sorgt unabhängig vom Kameramodul des Smartphones für eine Vorschau auf der Fernbedienung.
Die Klemme (links) ist im Lieferumfang, doch für die richtige Balance muss man das Smartphone in der Halterung richtig hinschieben. Die OM Quick Release Mount-Platte sitzt schon am richtigen Punkt, kostet aber einen Aufpreis von 19 Euro.
Für das Aufsetzen des Smartphones liefert DJI im Standard eine Klammer mit, die für Smartphones zwischen 6,7 Zentimeter bis 9,2 Zentimeter breite funktioniert und die Verbindung zum Gimbal magnetisch herstellt. In jedem Fall sinnvoll ist dann jeweils das automatische Kalibrieren. Optional bietet DJI für 19 Euro eine Halterung namens OM Quick Release Mount dank der sich über MagSafe auf der Rückseite des Iphones (ab Version 12) befestigen lässt, sodass man die Klemmhalterung weglassen kann. Die Halterung bietet in sich nochmal die Funktion als Tischstativ zu funktionieren und macht das Aufsetzen des Smartphones wesentlich schneller, da es so schon im Gleichgewicht sitzt. Allerdings ist es mit einem Gewicht von 45 Gramm doch recht schwer, so dass man es ungern dauerhaft am Smartphone befestigt lässt. Dennoch: Wer ein iPhone hat, wird wohl früher oder später zu dieser komfortableren Methode greifen – denn hier kamen wir ohne die Kalibrierfunktion schneller an den Start.
Die Balancierung erfolgt mittels digitaler Anzeige, was aber ebenso gut wie „analog“ funktioniert.
DIE BEDIENUNG
Da das Display in der Fernsteuerung größer geworden ist gibt es nun im Osmo Mobile 8P kein Platz mehr für die Tasten für den Modus- sowie den Kamerawechsel. Außerdem ist das seitliche Drehrad der Fernsteuerung zum Opfer gefallen. Deshalb gibt es an der Fernsteuerung seitlich eine unscheinbare Taste, mit der man den Joystick von der Gimbalsteuerung zur Zoombedienung umfunktionieren kann. Der Kamerawechsel von den Kameramodulen an der Front zur rückseitigen Selfie-Kamera erledigt man jetzt über das Display der Fernsteuerung – oder der App. Auch Vivien betont dabei, dass deren Einrichtung einfach ist und sich viele Funktionen damit von allein erklären. Sie fand es aber ein bisschen schade, dass es nur ein Tutorial auf dem Handy bezüglich der Einstellungen und Funktionen, nicht jedoch für die Fernsteuerung gibt. Auch für sie haben sich erst im Nachhinein und durchs Ausprobieren einige Funktionen und Einstellmöglichkeiten der Fernbedienung erschlossen.
Wischt man von unten nach oben oder von oben nach unten, öffnen sich zwei unterschiedliche Menüs. Wir hätten eine Zusammenfassung besser gefunden.
Dass man in alle Richtung über das Display wischen und an verschiedene Einstelloptionen kommt, ist nicht besonders intuitiv. Gerade weil es sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben in die Grundeinstellungen geht – allerdings in unterschiedliche Optionen. Der Swipe von rechts nach links offenbart dagegen die Screen Mirroring Funktion, die zumindest im Zusammenspiel mit dem iPhone 17 sehr unzuverlässig funktioniert und meist mehrere Verbindungsversuche benötigt, um zur gewünschten Vorschau auf der Fernsteuerung zu kommen. Leichter ist es, wenn man das OM Multifunktions-Modul 2 hat, denn dann reicht ein Swipe von links nach rechts um eine Vorschau auf die Zusatzkamera zu kommen – wobei sich so eben nicht das Objekt für das Tracking markieren lässt, wenn man die Mimo-App verwendet – dazu muss man dann das Display des Smartphones nutzen. Ohne Verbindung klappt das Tracking am Gerät, was wir mit einem Sony-Smartphone getestet haben.
Die Vorschau auf der Fernsteuerung bietet nur dann eine Möglichkeit das Objekt für das Tracking zu markieren (rechts), wenn man nicht DJIs Mimo-App nutzt (links).
MODI-OPTIONEN
Vivien hat sich besonders für die Spin-Shot Aufnahmen begeistert und hat damit einige Testaufnahmen gemacht mit einen sie auch auf den ersten Blick zufrieden war. Einige Aufnahmen wurden mit dem Samsung Galaxy S25 Ultra gedreht, wo die Bildrate auf 60 FPS eingestellt wurde - allerdings gibt es auch Aufnahmen mit dem Samsung Galaxy S21 Ultra und hier konnte sie nur eine niedrigere Bildrate von 30 FPS festlegen. Dabei weist die App darauf hin, dass es zu Bildrucklern kommen kann. Die Bildruckler sind leider wirklich vertreten, können allerdings im Schnitt recht gut überspielt werden. Weiterer Haken: Die Spin-Shot Aufnahme geht leider nicht komplett im Kreis, sondern gefühlt erreicht circa 220 Grad. Das ist sehr schade, den eigentlich wirken komplette Rotationen besser. Ganz gut gefallen hat uns dagegen die Option die Bewegungsgeschwindigkeit einzustellen, was gerade mit dem freien FPV-Modus sinnvoll ist, da dieser je nach erwünschter Bildwirkung auch mal in eher ruckliger aber schneller Bewegung gut rüberkommt. Wer normal PTF-Modus arbeitet nutzt dagegen besser die langsame und damit ausgewogen ruhige Bewegungsberuhigung.
Die Mimo App erlaubt über einen speziellen Beauty Modus das Gesicht aufzuhübschen, wobei man getrennt beispielsweise Augenringe reduzieren, Falten Glätten oder Zähne weißen kann. In 4K klappt das allerdings nur mit bis zu 30 Bildern in der Sekunde.
DIE STABILISIERUNG
Eines muss man DJI lassen: Das Thema Handling haben sie bestens im Griff. Das Gimbal ist angenehm ausbalanciert – auch mit der Verlängerung. Vivien fand allerdings den eingeschränkten Bewegungsspielraum bei großen Handys lästig – besonders, wenn man ein Mikrofon beziehungsweise den Funkempfänger angeschlossen hat. Bei dem S25 Ultra ist es sogar ohne Mikrofon in der Bewegung nicht all zu frei. Bei der Beruhigung macht DJI aber derzeit niemand etwas vor – alle drei Smartphones wurden gut beruhigt und auch Vivien, die bisher nicht mit Gimbals gearbeitet hat, konnte damit zu sehr ansehnlichen Ergebnissen kommen. Selbst bei der Moderation mit etwas wildem Gestikulieren erledigt das Osmo Mobile 8P seine Arbeit mit Bravour.
Auch im Rotations-Modus zeigte das Osmo Mobile 8P eine gute Stabilisierung, so dass auch sanfte Überkopf-Aufnahmen möglich sind.
DAS TRACKING
Um es kurz zu machen: Das Tracking funktioniert genauso mustergültig wie die Bildberuhigung – der größte Haken ist, dass man es genau genommen nur auf dem Smartphone-Display starten kann. Bei Selfies kann man sich schon länger darauf verlassen, dass das Tracking gut funktioniert. Neu ist, dass man sich auf die Tracking-Funktion auch dann verlassen kann, wenn mehrere Menschen im Bild sind und sich immer mal wieder gegenseitig abdecken. Die App erkennt die markierte Person so gut, dass es kaum zu einem fehlerhaften Tracking-Wechsel auf eine andere Person kommt. Dass man dies nun auch mit Tieren, Objekten wie Autos oder Zügen hinbekommt ist ein weiteres Schmankerl. Und wer einfach nur ein Objekt wie beispielweise eine Statue umrunden will kann sich ebenfalls darauf verlassen, dass dieses stets im Mittelpunkt bleibt.
In der Creator Combo enthalten sind auch Sender und Smartphone-Empfänger der Mic Mini 2-Funkstrecke, die wir bereits getestet haben.
FAZIT
Die Zeiten, wo man das Smartphone als Amateurwerkzeug abgetan hat, sind längst vorbei. Deshalb will sich auch im heiß umkämpften Einstiegssegment der Smartphone-Gimbals nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Dass man dieses mal eher an der Bedienung wie an der Stabilisierung gearbeitet hat, ist ein Indiz, dass bei der Bildberuhigung nicht mehr viel Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Beim Tracking hat DJI dagegen gut nachgelegt und die Personenerkennung verbessert, sowie das Objekttracking eingeführt.
Die Idee, die Fernsteuerung vom Gimbal zu lösen und damit das Smartphone und die Gimbalbewegungen aus der Ferne steuern zu können, erweitert man das Einsatzgebiet des Osmo Mobile 8P erheblich. Zwar ist abnehmbare Steuerung in Sachen Ergonomie gesehen ein kleiner Rückschritt – doch so lassen sich Selfies nicht nur drehen, mit dem Gimbal in der Hand, sondern auch aus der Entfernung. Praktisch ist dies auch bei Interviews – die zunehmend häufiger mit dem Smartphone produziert werden. Da allein Kreativschaffende ihr Smartphone als Kamera benutzen ist das Fernbedienungsdisplay immerhin eine kleine Hilfe in Sachen Vorschau. Deshalb lautet der Tipp: gönnen Sie sich das OM Multifunktions-Modul 2 – auch wenn das Fülllicht so schwach ausfällt, dass es nur in nächster Nähe eine Wirkung entfaltet.
+sehr gutes Tracking + sehr gute Stabilisierung + Zusammenspiel mit Mimo-App und DJI-Ökosystem - bei großen Handys Einschränkungen in der Beweglichkeit - unzuverlässige Spiegelung des Smartphone-Displays
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