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Gimbaltest: DJI Ronin RS 5 – Bedienung einfacher, Stabilisierung und Tracking perfektioniert

| Joachim Sauer

Mit dem RS 5 bietet DJI ein neues Gimbal für DSLR-Kameras das mit kräftigeren Motoren schneller Bewegungen ausgleichen kann und dank Tracking-Modul auch die Verfolgung beherrscht. VIDEOAKTIV hat bereits knappe drei Monate mit dem Gimbal gearbeitet.

360 Grad Kameravergleich Titel

IM TEST:
DJI Ronin RS 5, 569 Euro
getestet als RS 5 Combo, 719 Euro

 

DJI ist nicht nur den Drohnen-Markt dominant, sondern hat auch die Gimbal-Szene fest im Griff. Zumindest wenn man höhere Gewichte und DSLR-Kameras beruhigen will, muss man schon seit Jahren einen Blick auf die Ronin-Modelle werfen. Hier hat DJI regelmäßig mit Innovationen den Markt bestimmt. Beispiele gefällig: die automatische Verriegelung der Gimbal-Achsen, kleine Feinjustierungsräder für die Balance und Motoren die schneller arbeiten… Alles Dinge, die in den letzten Generationen dazugekommen sind. Und jetzt? Liest man die Ankündigung zum RS 5, könnte man meinen, dass alles schon mal da war. Zugegeben: Die ganz große Innovation als Hingucker bietet das RS 5 nicht – aber eben sehr viele Detailverbesserungen, so dass wir hier schon mal voraussagen: Nutzer älterer Gimbals werden nach einem Blick auf das RS 5 wahrscheinlich doch über ein Upgrade nachdenken. Aber am besten wir fangen wie immer ganz von vorn an.

Joachim Sauer hat mit dem Ronin RS 5 auf vielen Veranstaltungen gearbeitet und es bei Werbefilm-Dreharbeiten eingesetzt. Was dabei rausgekommen ist und welche Erkenntnisse er hat, zeigt er im Video.

JUSTAGE UND KALIBRIERUNG

Eine Kamera auf ein Gimbal setzen erfordert immer einen gewissen Aufwand – auch wenn das schon länger viel zügiger klappt als zum Beginn der Gimbal-Ära. Was man DJI lassen muss, ist dass man stetig an Details arbeitet. Statt nur auf eine Teflon-Beschichtung und damit sanfteres Gleiten der Achsen bei der Balance zu setzen, integriert man nun den bisher nur von einer Achse bekannten Feinabstimmungsregler auf alle Justageebenen. Das ist genau genommen nichts Großes – aber eine massive Erleichterung, die den Balance Prozess erheblich beschleunigt. Dabei muss man allerdings sagen, dass das Gimbal, auch wenn man eigentlich 3 Kilogramm Equipment aufsetzen kann, bereits bei rund 2 Kilogramm recht empfindlich auf ein Ungleichgewicht reagiert. Gerade wenn das Gewicht zum Beispiel durch aufgesetzte Audioadapter oder Mikrofone beziehungsweise lange Objektive die Masse etwas ungleichmäßig verteilen, ist eine exakte Balance wichtig. Denn sonst steigt das RS 5 auch mal mitten im Dreh aus. Je nach Optik fordern Brennweitenveränderungen entsprechendes Nachbalancieren – was zum Glück nun innerhalb von Sekunden erledigt ist.

360 Grad Kameravergleich GRDie Feinabstimmer gibt es nun für jede Achse, wobei nach der ersten Balance eine Kalibrierung über das Menü nötig ist. Auch der erste Aufbau klappt in wenigen Minuten.

 


BEDIENUNG

Die Show beim Anschalten ist bereits bekannt: Das Gimbal löst die Sperren und entfaltet sich automatisch. Das ist aber nicht nur schick, sondern aus unserer Sicht sehr praktisch. Zumal die automatische Verriegelung auch im Standby für eine erhöhte Sicherheit sorgt und bei uns in kurzen Drehpausen bereits Standard ist. So kann man das Gimbal leichter und absetzen und spart zudem noch Strom. Seitlich findet man immernoch den bekannten Schieberegler für die Betriebsmodi und auch die restlichen Tasten sind unverändert. Wir haben sehr viel mit der Nikon ZR auf dem RS 5 gearbeitet, die sich bis jetzt noch nicht vom Gimbal aus steuern ließ – eigentlich schade, denn genau hier macht die Kamera eine sehr gute Figur und die Steuerung der Aufnahme vom Gimbal aus wäre schon schick. Wir gehen allerdings davon aus, dass dies nur eine Frage der Zeit ist, bis das funktioniert, was bei Panasonic und Sony-Modellen schon fast Standard ist.

Der neue Ausleger erleichtert die Gimbalführung und bietet eine weiter Bedieneinheit, was die Gimbalsteuerung bei gezielten Bewegungen deutlich einfacher macht.

Prinzipiell kann man festhalten, dass die Bedienung über das Display immer noch sehr fummelig ist. Die Bedienflächen sind relativ klein, das Display reagiert nun zwar besser, aber nicht noch nicht ganz zuverlässig auf die Berührung. Zudem sind die vielen Menüpunkte auf dem kleinen Display nicht übersichtlich unterzubekommen und entsprechend in Untermenüs verteilt. Man kann sich daran gewöhnen – schicker wäre dennoch ein größeres Display. Wobei man das Menü in der Regel nur für die Grundeinstellungen und die Kalibrierung benötigt. Auf der anderen Seite kommt dem Display durch das neue Tracking Modul eben auch eine weitere Funktion zu – dazu im entsprechenden Kapitel mehr. Sehr gut gefallen uns dagegen Joystick und das vordere Einstellrad mit denen man die Achsbewegungen wirklich sanft hinbekommt. Wird der DJI RS 5 mit zwei DJI Focus Pro Motoren kombiniert, lassen sich Zoom und Fokus ebenfalls über den Joystick beziehungsweise das Einstellrad steuern.

DJI RS5 DisplayDie Bedienung über die Tasten und Schieber ist sehr gut – das Display könnte noch etwas sensitiver auf die Finger reagieren.

AKKULAUFZEIT

Eine konkrete Akkulaufzeit können wir derzeit leider nicht benennen, denn tatsächlich hat DJI aus technischen Gründen vor circa zwei Wochen den Akkugriff zurückgefordert und einen Ersatz angekündigt, der bisher im Zoll festhängt. Was wir aus der langen Testzeit festhalten können: Nach einem (langen) Drehtag war der Akku niemals leer – realistisch lassen sich damit sogar zwei (normale) Drehtage hinbekommen. Wir halten die Angabe von 14 Stunden also für völlig realistisch. Ebenfalls bestätigen können wir die kurze Ladezeit, die DJI mit einer Stunde für die Vollladung beziffert. Wem das dennoch nicht ausreicht, kann zum neuen BG70-Griff greifen, mit dem DJI eine Akkulaufzeit von auf 30 Stunden erreichen will. Wichtig dürfte dies in erster Linie dann sein, wenn man weitere Verbraucher vom Gimbal mit Stom versorgt – schließlich liefert das RS 5 genug Schnittstellen dafür.

DJI RS5 USB C AnschluesseDer Akkugriff versorgt das Gimbal auch an langen Drehtag ohne Sorge vor Stromknappheit, so dass man durchaus auch die Kamera per USB versorgen kann.


STABILISIERUNG

Als Upgrade der Stabilisierung spricht DJI von kräftigeren Motoren, die somit die Masse schneller bewegen können, beziehungsweise schneller für den Ausgleich der Bewegung sorgen. Ob die Motoren nun tatsächlich kräftiger sind, könnte man aufgrund der empfindlicheren Reaktion auf eine falsche Balance bezweifeln. Dennoch kann man festhalten, dass das Gimbal die Aufnahmen besser beruhigt und teils sogar schon zu zackig reagiert. Wir haben deshalb meist die Reaktionsgeschwindigkeit von Standard auf langsam gestellt, um harmonischere Bilder zu erreichen. Ein gutes Stück harmonischer reagiert das Gimbal aber auch auf die Bewegungen der Kameraleute sowohl leichte Bewegungen mit dem Gimbal als auch Körperdrehungen werden harmonisch umgesetzt. Bei den Aufnahmen am Weihnachtsmarkt kann man erkennen, dass das RS 5 auch auf schnelle und spontane Bewegungen gut reagiert und für einen ordentlichen Ausgleich sorgt. Selbes gilt beim Laufen oder Treppensteigen: Auch wenn man nicht ganz exakt für Ausgleich sorgen kann, bietet das RS 5 nun eine Stabilisierung, die ein gutes Stück über dem des RS 4 liegt.

Wer über das Menü die Folgegeschwindigkeit auf langsam stellt, bekommt unserer Erfahrung nach die harmonischeren Bilder.

TRACKING

DJI packt zwei Varianten seines Gimbals: Die eine besteht aus dem Gimbal mit allem was für den grundsätzlichen Betrieb nötig ist – sie kostet 569 Euro. Die zweite hat dann neben dem Zusatzgriff, einen Transportkoffer und das wohl wichtigste Teil dabei: Das Tracking Modul das offiziell „RS Enhanced Intelligent Tracking Modul“ heißt. Es wird einfach oben auf das Gimbal aufgesetzt und übermittelt über Konnektoren ein Bild an die Gimbalsteuerung. Ist das neu? Genaugenommen ebenfalls nicht, denn das Tracking hat DJI bereits mit dem RS 3 eingeführt, wobei eben das damalige Lidar-Modul per Kabel angebunden werden musste. Jetzt reicht das simple Aufsetzen und das Modul rastet ein. Dass es korrekt angebunden ist, zeigt ein kleines rotes Symbol im linken oberen Bildschirmeck. Streicht man nun einmal nach rechts über das Display, bekommt man das Bild der Modul-Kamera zu sehen und kann den zum Tracking gewünschten Bildausschnitt oder eben ein Objekt markieren. Dabei ist der Touchscreen des Gimbals vielleicht etwas klein, so dass man etwas zielen muss – gerade, wenn man das Gimbal bereits mit einer Hand hält. Hilfreich ist es, das Gimbal und Motiv stehen ruhig. Wer ein bereits in Action befindliches Motiv markieren will, benötigt etwas Übung und eine ruhige Hand. Ist das Tracking aktiviert wechselt die Ring-LED um das kleine Objektiv des Moduls von Rot auf grün und nimmt die Arbeit auf.

DJI RS5 Bedienelement Tracking ModulDas kleine Trackingmodul muss nur aufgesetzt werden und wird vom Gimbal mit Strom versorgt. Das Bild sieht man auf dem Display des Gimbals. 

Dabei kann man DJI bescheinigen, dass das Tracking sehr gut funktioniert. Ist das Motiv einmal markiert, bleibt das Gimbal nahezu stoisch auf dieses ausgerichtet. Wobei man nun eben nicht nur Menschen zur Verfolgung markieren, sondern weitere Objekte wie beispielsweise Fahrzeuge, Haustiere oder Gegenstände verfolgen kann. Dabei ist das Gimbal in der Standard-Einstellung etwas zu nervös – zumindest, solange sich das Motiv sehr dicht vor dem Gimbal befindet. Hier hilft es die Steuerungsgeschwindigkeit über die Einstellungen auf langsam zu setzen. Für uns eines der Highlights: Das Tracking Modul lässt sich durch weitere Personen im Bild nicht durcheinander bringen und erkennt eine Person wieder, wenn diese den Bildausschnitt wieder betritt, so dass das Tracking nahtlos weitergehen kann. Wie gut das funktioniert, wie das Ganze funktioniert zeigen wir bei uns im Studio – hier lohnt sich in jedem Fall der Blick in unser Testvideo.

DJI RS5 Display TrackingDas kleine und nicht immer ganz treffsicher per Fingerberührung bedienbare Display macht die Markierung des Verfolgungsobjekts nicht immer ganz leicht.


VARIANTEN

Der DJI Ronin RS 5 ist ab heute als Standalone-Version für 569 Euro erhältlich und umfasst den Gimbal. Neu ist ebenfalls das Mini-Stativ, bei dem praktischerweise mit dem Ausklappen von einem Bein auch gleich die zwei weiteren ausklappen. Eine simple aber eben sehr praktische Idee. Dazu gibt es noch eine Objektivstütze sowie die bekannten Schnellwechselplatten für die Kameraverbindung. Natürlich ist auch der BG33-Akkugriff und ein Multi-Kamera-Steuerkabel mit dabei. Wer das Gimbal ausreizen möchte bekommt für 719 Euro das DJI RS 5 Combo bei dem das RS Enhanced Intelligent Tracking Modul, der elektronischen Zusatzgriff, ein L-förmiges Kabel und einen Transportkoffer mit dabei ist. Das Ronin RS 5 ist kompatibel mit dem gesamten Zubehör der Ronin-Serie und beispielsweise auch mit dem Akkugriff des Ronin RS 4, denn so konnten wir trotz der Rückforderung des neuen Griffs dennoch weiterarbeiten.

Zur DJI Ronin RS 5 Combo gehört der Erweiterungsgriff und das Tracking-Modul – beides absolut sinnvolle und nicht zu sagen wichtige Ergänzungen. 

 

FAZIT

Joachim Sauer VIDEOAKTIV Autor

Die Summe der vielen kleinen Schritte ergibt am Ende doch einen großen Fortschritt. Man merkt, dass DJI zuhören kann und den Nerv der täglichen Praxis erkannt hat. Statt das Rad neu zu erfinden haben die Entwickler an Details wie den weiteren Feinabstimmern für die Balance, dem leichteren Aufklappen des Mini-Stativ und dem der Handgriff mit Zugriff auf die Steuerung gearbeitet – alles Punkte, die zuerstmal nicht für ein besseres Bild sorgen, sondern im Drehalltag die Handhabung verbessern. Da man sich so leichter auf das Wesentliche konzentrieren kann, kommen vielleicht am Ende dann doch schneller bessere Bilder raus. Hinzu kommen die Verbesserungen in der Stabilisierung, die man besonders bei schnellerem Laufen beziehungsweise schnelleren Bewegungen bemerkt. Am ehesten ein großer Schritt ist das leichter nutzbare Tracking Modul, das mehr Objekte erkennt und zuverlässig arbeitet. Wer es hat wird wohl künftig häufig damit arbeiten – das ist eine klare Empfehlung für das größere Combo-Paket.

Wenn wir einen Wunsch äußern dürfen: Beim Ronin RS 6 wäre ein größeres und drehbares Display nach dem Vorbild der Pocket 3 eine super Verbesserung für die Tracking-Bedienung und im besten Fall auch die Touch-Sensorik und damit die Menü-Bedienung.

DATEN

DATEN UND TESTERGEBNISSE

Canon EOS C50 Tabellenbild

Hersteller DJI
Produkt  Ronin RS 5 
Preis 569 Euro (Ronin RS 5)
719 Euro (Ronin RS 5 Combo)
Internet www.dji.com
Transportmaße 24,9 x 12,4 x 25,8 cm
Gewicht 1193 Gramm
KONNENKTIVITÄT
Anschlüsse USB-C, NATO Interface
Bluetooth 
WLAN
GIMBAL max. 30 Punkte 27,5/hervorragend
Zuladung max. 3 Kilogramm
Transport-Eigenschaften  verriegelbare Achsen, Transportkoffer 
Neigeachse 360 Grad
Rotations-/Drehachse 360 Grad
Panorama-Achse 360 Grad
Überkopf-/Hochkantmodus ●/○
MANUELLE BEDIENUNG max. 10 Punkte 8/sehr gut
manuelle Gimbalsteuerung Joystick und Drehrad
Record-Funktion für Kamera
Zoom-Steuerung
Umschaltung der Betriebsmodi
Gewindeschrauben für Zubehör 1x 1/4-Zoll
STEUERUNG max. 15 Punkte 7/ausreichend
manuelle ISO/Blende/Fokus ○/○/○
Weißabgleich  — 
Bildwiederholfrequenz NTSC/PAL —/—
autom. Verfolungsmodus
autom. Panoramaschwenk
AKKU max. 10 Punkte 9/hervorragend
Akku-Kapazität/tauschbar 2150 mAh/—
Gimbal-Akkulaufzeit ca. 14 Stunden
Powerbank-Funktion
BILDBERUHIGUNG max. 35 Punkte 30/sehr gut
Treppenlaufen sehr gut
sanftes Laufen hervorragend
schnelle Laufen sehr gut
Objektverfolgung sehr gut
Objektumrundung sehr gut
   
va logo kl 100  
Urteil max.100 Punkte sehr gut 81,5
Preis/Leistung sehr gut

 

 

Autor:
Joachim Sauer
Bildquellen:
DJI, Joachim Sauer, Jonas Schupp MEDIENBUREAU

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