Tom Schniedenharn ist DJ und somit viel in der Clubszene unterwegs. Dabei gehört die Videografie inzwischen fest zu seinem Repertoire. Bei der Nikon ZR ging es bei ihm darum, wie schnell er als noch relativ am Anfang stehender Filmer die Profi-Kamera beherrscht und wie gut sie im Low-Light filmt.
IM TEST:
Nikon ZR, 2349 Euro
getestet mit Nikon Nikkor Z 17-28mm f/2.8, 1349 Euro
Tom Schniedenharn bezeichnet sich selbst eher als „Anfänger-Anwender“, wobei er bereits Erfahrungen im Event-Bereich gesammelt hat, denn Aufnahmen von Live-Auftritten als DJ benötigt er als Social-Media-Content selbst. Dafür hat er bisher überwiegend mit der APS-C-Kamera Sony ZV E-10 gearbeitet. Die Nikon ZR ist also seine erste Vollformatkamera und die erste mit klaren Profi-Genen. Dennoch ließ sie sich inklusive Objektiv problemlos in seinem üblichen Kamerarucksack transportieren: „Trotz der hohen Leistungsfähigkeit bleibt das Packmaß angenehm kompakt. Im Vergleich zu meiner bisherigen Kamera wirkt der Body etwas breiter, was jedoch gleichzeitig einen sehr stabilen Eindruck vermittelt.“ Für seine mobilen Club-Einsätze war der Transport also insgesamt unkompliziert.
Auch wenn VIDEOAKTIV-Leser Tom Schniedenharn schon einige Erfahrungen in der Videographie sammeln konnte, sieht er sich von den Fertigkeiten her noch ziemlich am Anfang.
Tom Schniedenharn hat mit der Nikon ZR seine erste Vollformat-Filmkamera in den Händen und hat hauptsächlich im schummrigen Club- und Eventbereich gedreht.
BEDIENUNG
Auch mit den Grundeinstellungen der Nikon ZR ist er sehr schnell zurechtgekommen: „Das Menü ist übersichtlich aufgebaut und deutlich anfängerfreundlicher als bei vergleichbaren Sony-Modellen“, schreibt Tom im VIDEOAKTIV-Testprotokoll. Videoformate und Framerates lassen sich seiner Meinung nach logisch und ohne langes Suchen einstellen. „Besonders hilfreich war die schnelle Anpassung bei wechselnden Lichtbedingungen im Club. Der Touchscreen beschleunigt die Bedienung zusätzlich. Insgesamt war die Lernkurve sehr steil und kurz.“ Besonders wichtig waren für Tom die Einstelloptionen für den Autofokus, die schnelle ISO-Anpassung sowie die Bildstabilisierung – wobei er alles schnell gefunden hat. Im Praxiseinsatz bewährt hat sich das Fokuspeaking und der Touch-AF über das Display. Für Ihn positiv waren die vielen direkt erreichbaren Einstellungen, die er somit nicht über Untermenüs suchen musste: „Das ist im dynamischen Clubumfeld ein großer Vorteil“ meint der DJ, bei dem der Videodreh auch immer ein bisschen nebenbei laufen muss.
Die Kamera ließ sich auch unter Stressbedingungen im Club schnell einstellen und sicher bedienen.
ERGONOMIE
„Die Nikon ZR liegt sicher in der Hand und wirkt sehr hochwertig verarbeitet,“ meint Tom, schränkt jedoch ein, dass „für kleinere Hände der Body jedoch etwas breit ist, weshalb ein Cage die Handhabung weiter verbessern würde.“ Der große und sehr helle Monitor ist seiner Meinung nach eines der Highlights der Kamera und auch im Clublicht hervorragend ablesbar. Für ihn besonders erfreulich war die Touch-Bedienung, die präzise und zuverlässig reagiert. „Im Vergleich zu meiner bisherigen Kamera arbeitet die Nikon ZR deutlich stabiler und zuverlässiger.“ Viele Situationen, die für ihn zuvor kritisch waren, ließen sich mit der Nikon ZR souverän meistern, wobei er auch die interne Bildstabilisierung als eines der stärksten Merkmale der Nikon ZR hervorhebt: „Selbst sehr schnelle, handgehaltene Bewegungen wirken extrem ruhig. Im Gedränge eines Clubs sieht das Material fast aus wie mit einem Gimbal aufgenommen. Für meine Arbeit ist das ein enormer Vorteil.“
Im direkten Vergleich zu Sonys ZV-E10 zeigt sich der Fortschritt der Nikon ZR durch einen großen Monitor, aber eben auch eine verbesserte Stabilisierung und Low-Light-Leistung.
BELICHTUNG
Die Einstellung von Blende, ISO und Belichtungszeit funktionierte bei Tom Schniedenharn problemlos: „Ich habe überwiegend manuell gearbeitet, konnte mich aber auch auf die Automatiken verlassen.“ Typischerweise ist es im Club-Umfeld eher dunkel, so dass bei seinen Drehs die ISO-Werte meist bei etwa 8000, in vielen Situationen auch ISO 12.800 lag. „Selbst bei diesen hohen Werten blieb das Bild sehr sauber und gut nutzbar. Das erleichtert die Arbeit im Low-Light enorm“, resümiert Tom. Auch ohne LOG-Aufzeichnung liefern die Standardprofile sehr neutrale und flache Bilder, die sich bei ihm mit leichter Kontrastanhebung gut graden ließen. Gegenüber seinem bisherigen Equipment stellt die Low-Light-Performance einen klaren Fortschritt dar. Die Cine-Modi und RED Picture Controls hat Tom nur kurz getestet, da sie für seinen Club-Workflow weniger relevant sind. Der R3D NE Codec bietet seiner Meinung nach dennoch deutlich mehr Spielraum beim Color Grading. In DaVinci Resolve ließ sich das Material problemlos bearbeiten, wobei im besonders der Dynamikumfang und Farbneutralität positiv aufgefallen sind.
Selbst bei sehr hohen ISO-Werten zeigt die Nikon ZR kaum sichtbares Rauschen.
AUTOFOKUS
Die manuelle Schärfe lässt sich dank Fokuspeaking gut kontrollieren und der Autofokus arbeitet insgesamt schnell und zuverlässig“. Doch bei seinen Drehs im sehr dunklen Clublicht macht Tom beim Eye-Autofokus ein kurzzeitiges Pumpen aus. Mit einem größeren Fokusfeld funktionierte die Schärfenachführung bei ihm deutlich besser. Kritisch sieht er es zudem, dass die Kamera sofort in den manuellen Fokus wechselt, sobald man versehentlich den Fokusring berührt. Dies führte in der Praxis zu einigen unbemerkten Fehlfokussierungen. Insgesamt ist der Autofokus sehr gut, mit leichten Einschränkungen im Extrem-Low-Light.
In dynamischen Clubszenen arbeitet der Autofokus schnell, kann im extremen Low-Light aber vereinzelt an Präzision verlieren.
TON
Für Clubvideos ist Audio natürlich extrem entscheidend und die Kamera mit 32-Bit-Float dafür ein sehr starkes Feature. Für Tom der besondere Reiz ist, dass er so nichtmehr auf den Tonpegel achten muss. Selbst extreme Pegel lassen sich verlustfrei aufzeichnen. „Ich nehme generell sehr leise auf und ziehe später jede Tonspur laut“ beschreibt Tom seine Arbeitsweise. So hat er bereits die ideale Variante, um einen verzerrungsfreien Ton aufzuzeichnen und bekommt dank 32-Bit-Audio kein Rauschanteil zu hören.
FAZIT
Die Nikon ZR übertrifft viele Kameras in ihrem Preissegment deutlich und überzeugt besonders bei Low-Light und Stabilisierung, so dass ich mir die Kamera tatsächlich kaufen würde. Sie bietet ein außergewöhnlich starkes Gesamtpaket für Event- und Clubvideografie. Besonders die Stabilisierung und die Low-Light-Leistung haben mich überzeugt. Das Menü, der große Monitor und die neutralen Farben erleichtern den Workflow deutlich. Einschränkungen gibt es beim Eye-Autofokus im extremen Low-Light und beim versehentlichen Umschalten in den manuellen Fokus. Zusätzlich ist es im Alltag unpraktisch, dass sich ein vollständig entladener Akku nicht direkt über die Kamera laden lässt. Insgesamt überwiegen die Stärken jedoch klar.
DATEN
| Hersteller |
Nikon |
| Modell |
ZR |
| Preis |
2349 Euro |
| Objektiv (Preis) |
Nikon Nikkor Z 17–28 mm f/2.8 (1349 Euro) |
| Internet |
www.nikon.de |
| Aufzeichnungsformate |
6K (60/50/30/25/24p), C4K (120/100/60/50/30/25/24p) UHD (120/100/60/50/30/25/24p) Full-HD (240/200/120/100/60/50/30/25/24p) |
| Codecs (Dateiformate) |
N-RAW, R3D NE, ProRes RAW, H.265, H.264, MOV, MP4, MXF |
| Max. Abtastung intern |
4:2:0, 4:2:2, 4:4:4 (8 Bit, 10 Bit, 12 Bit) |
| Max. Abtastung externe Aufnahme |
4:2:0, 4:2:2, 4:4:4 (8 Bit, 10 Bit, 12 Bit) |
| Aufnahmemedien |
MicroSD, CFexpress (B) |
| Bildwandler/Auflösung |
Vollformat/24,5 Megapixel |
| Objektivanschluss |
Z-Mount |
Zoomfaktor/Brennweite (KB-äquivalent) |
1,6 fach/17 bis 28 mm (F2,8) |
| Gewicht mit Objektiv |
1080 Gramm |
| Formfaktor |
sehr gut |
| Formate |
hervorragend |
| Automatiken |
hervorragend |
| Ergonomie |
sehr gut |
| Gehäuse |
sehr gut |
| Bedienung |
hervorragend |
| Autofokus |
hervorragend |
| Preis/Leistung |
hervorragend |