DJIs Osmo Pocket-Serie ist als superkompakte Gimbal-Kamera einzigartig – bis jetzt, denn mit der Realimove MC3X versucht Agfaphoto, mit günstigem Preis dem Platzhirsch Kunden abzujagen.
Kamera IM TEST: Agfaphoto Realimove MC3X, 350 Euro* *üblicherweise reduziert auf 300 Euro
Die Pocket 3 von DJI ist zwar schon gute zwei Jahre alt, aber bis heute einzigartig und transportiert, wie damals im Test festgestellt, den Camcorder in das aktuelle Jahrhundert. Da sich die Kamera seither großer Beliebtheit erfreut, ist es umso verwunderlicher, dass sich noch niemand an einem Konkurrenten versucht hat. Mit der Realimove MC3X, schickt sich nun Agfaphoto an, über einen günstigeren Preis (mindestens 70 Euro weniger) und 4K-UHD-Auflösung eine Alternative zur Pocket zu bieten und orientiert sich dabei im Design deutlich am Vorbild. Sie soll damit die günstige Alternative sein – wobei Agfaphoto, beziehungsweise der Lizenznehmer der Marke Agfaphoto auch qualitativ mithalten will.
Jonas Schupp hat die Agfaphoto Realimove MC3X mit in den Urlaub und auf die Baustelle für zahlreiche Vlog-Aufnahmen genommen. Im Video zeigen wir, das die Kamera kann – und was nicht.
AGFAPHOTO? DA WAR DOCH WAS...
Dem einen oder anderen dürfte der Herstellername noch ein Begriff sein, denn zu Zeiten des Analogfilms war Agfa einer der größten Filmhersteller nach Kodak und Fujifilm. Ähnlich wie Kodak brachte auch für Agfa und dessen 2004 ausgegliederte Agfaphoto-Tochter der Wechsel auf Digitalkameras gravierende Veränderungen mit und nur ein Jahr nach der Ausgliederung meldete Agfaphoto Insolvenz an. Rechtsnachfolger AgfaPhoto Holding GmbH vergibt nun, ähnlich wie Kodak, Lizenzen an OEM-Hersteller. Im Falle der Realimove MC3X liegt die Lizenz bei der französischen GT Company, welche neben Agfaphoto auch Digitalkameras mit – man erkennt ein System – Kodak-Logo anbietet.
Ob Agfaphoto oder Kodak: Hinter beiden Kameras steckt die GT Company, die Namen und Logo von den jeweiligen Rechteinhabern lizenziert.
AUSSTATTUNG UND BAUWEISE
Geliefert wird die Realimove MC3X in einer wertigen Stoffschale, die Platz für Kamera und Zubehör bietet. Dieses ist mit einem Ladekabel leider spartanisch ausgefallen, zumindest einen Standfuß hätten wir uns gewünscht. So bleibt es bei der „nackten“ MC3X, deren auffälligstes Merkmal der 3,5-Zoll-Touchscreen ist. Deutlich größer als beim DJI-Vorbild, lässt er sich ebenso ins Querformat drehen und offenbart damit vier Pfeil- sowie eine Bestätigungstaste. Weitere Bedienelemente findet man an den Seiten: Links Tasten für Infrarotsicht und Belichtungssperre, rechts den Anschalter, die Aufnahmetaste und eine kleine Zoomwippe – zu dieser kommen wir jedoch später.
Über den USB-C-Anschluss wird die Kamera geladen, darunter ist eine 3,5mm-Miniklinkenbuchse für Lavalier-Mikofone.
AUFLÖSUNGEN UND FORMATE
In der Kamera arbeitet ein Sony IMX317-Sensor, der gemäß Datenblatt 1/2,5 Zoll groß ist und 8,29 Megapixel besitzt. Das reicht genau für 4K-UHD-Auflösung, wobei die MC3X als einzige Bildwiederholungsrate 30p anbietet. 30 und 60p sind drin, wenn man die Auflösung auf 2,7K herunterschraubt. In Full-HD und dem mittlerweile antiquierten HD sind dann 120, 60 und 30 Bilder pro Sekunde drin. Die gleichen Auflösungen und Bildwiederholungsraten sind im Zeitraffermodus auswählbar, wobei die Kamera Aufnahmeabstände zwischen einer Sekunde und einer Minute anbietet. Anders sieht es bei der Zeitlupe aus: Hier bietet Agfaphoto lediglich Full-HD und HD mit vierfacher Zeitlupe an. Gespeichert wird immer auf eine microSD-Karte. Dass man im Fotomodus neben Bildern mit acht Megapixeln auch solche mit zehn, 14 und 20 machen kann, ist letztendlich nicht mehr als künstliches Aufbohren der Eigenschaften. Wir verweisen hier gerne auf unseren Ratgeber zu diesem Thema.
Das Menü ist etwas verwirrend und offensichtlich maschinell übersetzt worden. Dadurch wird beispielsweise „Pre-Recording“ zu „Vor dem Rekord“.
PRAXIS
Zunächst: Dass man auf Tasten anstatt eines Joysticks setzt, mag bauartbedingt sein, ergibt aber zur Gimbalsteuerung wenig Sinn. Aufgrund des hohen Druckpunktes hört man die Tasten deutlich auf der Aufnahme und die Kamerafahrten erfolgen ruckartig und nur mit fester Geschwindigkeit. Insoweit drehten wir immer im handgeführten Modus, was dank der aus handelsüblichen Gimbals bekannten Modi sehr gut funktionierte. Generell hat uns das Gimbal überraschend gut gefallen, da es sowohl vertikal als auch horizontal sanft nachregelte. Auch wenn es nicht das schnellste Gimbal ist, ist es für Vlog-Aufnahmen uneingeschränkt praxistauglich. Mehr eine Spielerei ist der Infrarot-Modus, welcher zwar die Lichtstärke, aber ebenso das Bildrauschen erhöht. Zwangsläufig sieht das nunmehr schwarz-weiße Bild aus wie aus einem Horrorfilm, wie man im Video sehen kann.
Ist der Bildschirm vertikal gedreht, filmt die Kamera automatisch im 9:16-Format.
Was überzeugen konnte, ist die Bildstabilisierung – auch hier leistet sich das Gimbal im normalen Betrieb keine Schwächen. Nur schnellere Bewegungen bringen das Gimbal dann doch aus dem Tritt und die Stabilisierung wirkt eher kontraproduktiv. Demgegenüber steht ein unterdurchschnittlicher Autofokus, dessen Personenerkennung nur selten funktionierte. Ob überhaupt ein Autofokus verbaut ist, können wir nicht mit Sicherheit sagen, denn der verbaute Sensor verfügt nur über einen Fixfokus. Auf der anderen Seite erkennt die Kamera Personen und kann sie auch automatisch verfolgen. Autofokus oder nicht: aufgrund der kleinen Sensorgröße ist sowieso alles mehr oder minder scharf, auch bei Vlog-Aufnahmen. Bei diesen kann man sich jedoch auf den großen Bildschirm verlassen, dessen Auflösung vom Hersteller leider nicht angegeben wird, der aber hochauflösend genug zur zuverlässigen Bildkontrolle ist. Ähnlich gut ist die Akkulaufzeit, die mit 170 Minuten angegeben wird. Wir halten das für durchaus realistisch, da wir im längsten Zyklus ohne Akkuladung etwa 80 Minuten bei Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt filmten und anschließend noch einen halb vollen Akku hatten. Wie viel Prozent Restladung genau vorhanden war, können wir jedoch nicht genau sagen, da die Akkuanzeige lediglich aus vier Balken besteht.
Der große Bildschirm ist das beste Argument der MC3X. Die Akkuanzeige oben rechts besitzt nur vier Balken und ist damit wenig präzise.
BILDEINDRUCK
Nutzlos ist hingegen der Digitalzoom. Klar, bei 8,29 Megapixeln resultiert ein Zoom immer in Detailverlust. Schade hingegen, dass ebensolche Bildverluste auch in den niedrigeren Auflösungen auftreten, obwohl theoretisch noch Pixel verfügbar wären. Ein deutliches Indiz, dass die niedrigeren Auflösungen nicht durch Oversampling, sondern durch Lineskipping erreicht werden. Generell erinnert das Bild eher an alte Camcorder als an moderne Technik, mit Moiré, teilweise verwaschenen Texturen sowie geringer Sättigung – letzteres sowohl im normalen Bildprofil als auch bei Aufnahmen mit höherer Dynamik, welche die Kamera unter dem Menüpunkt „WDR“ anbietet. Agfaphoto gibt für die Kamera einen Bildwinkel von 120 Grad mit Verzerrungskorrektur an und während ersteres stimmt, konnten wir Verzeichnungsfreiheit lediglich in der Bildmitte attestieren. An den Bildrändern stecken sich Menschen und Objekte hingegen in die Länge.
Die Verzerrungen im Bild sind so deutlich, dass bei Personen schnell eine „Pinocchio-Nase“ entsteht. Auch die Bilddynamik ist nicht sonderlich berauschend.
TON
Als Anschlüsse sind eine Mini-Ausführung von HDMI, USB-C sowie eine 3,5mm-Miniklinkenbuchse an Bord und nur an letzterer kann man ein Mikrofon anschließen. Dieses ist über eine 15-stufige Skala auspegelbar, wobei man sich hier auf das eigene Bauchgefühl verlassen muss, denn eine Lautstärkeanzeige taucht erst nach Aufnahmestart im Bildschirm auf. Diese ist zudem nicht sonderlich genau und sehr langsam. Ein Kopfhöreranschluss existiert ebenso wenig wie Bluetooth zur Verbindung von Funkstrecken à la DJI Mic 3 und Co.
Neben dem Kameramodul hat der Hersteller drei Infrarot-Leuchten platziert.
FAZIT
429 Euro kostet die DJI Osmo Pocket 3, selbst bei der selten aufgerufenen UVP von 350 Euro ist die Realimove MC3X demnach ein gutes Stück günstiger. Ist die Kamera damit die bessere, weil günstigere Wahl? Unserer Meinung nach nur, wenn man mit der nicht mehr aktuellen Bildqualität samt Verzeichnungen an den Bildrändern leben kann. Auch die Gimbal-Steuerung über die Richtungstasten ist nicht wirklich praktisch und nur zur Positionierung des Gimbals in Drehpausen verwendbar. Dafür arbeitet das Gimbal selbst sehr zuverlässig, Akkulaufzeit und großer Biildschirm qualifizieren die Kamera eigentlich ideal für Vlogs und ähnliche „Aus dem Leben“-Projekte.
Doch dazu stehen der MC3X Sensor und Bildprozessor im Weg, weshalb die Pocket 3 derzeit für Profis wie Amateure die bessere Wahl ist. Sollte sich Agfaphoto respektive der Lizenznehmer GT Company aber dazu entschließen, das Konzept weiter zu verfolgen und das Nachfolgemodell mit einem besseren Sensor samt Prozessor auszustatten und dann noch Bluetooth hinzufügen, kann hier eine ernsthafte Konkurrenz für DJI heranreifen. So ist hingegen noch viel Luft nach oben.
VIDEOAKTIV startet 2026 mit einem Knaller, denn die vor kurzem erschienenen 360-Grad-Kameras GoPro Max 2, DJI Osmo 360 und Insta360 X5 und X4 Air treten zum Test an. Wer liefert den neuen Platzhirsch bei den für Selfie-Produktionen, Sport…
Kompakt und leicht, aber vollgepackt mit Filmtechnik verspricht Nikon mit der ZR erstmals eine professionelle Filmkamera mit RED-RAW-Formaten zum Einsteigerpreis. VIDEOAKTIV hat die Kamera mehrere Wochen in der Praxis getestet.
…
Mit der Osmo Action 6 will DJI auch im Actioncam-Segment die Führerschaft übernehmen und packt neben einem größeren Sensor erstmals eine einstellbare Blende in die kleine Cam, die damit allerdings auch etwas größer wird, dafür aber länger…