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Neumannn M 50 V: Neuauflage des Klassikers

| Jonas Schupp

Neumann lässt mit dem M 50 V ein altes, zur Legende gewordenes Röhrenmikrofon wieder aufleben. Dabei will man sich detailgetreu an das Original gehalten haben.

Das erste M 50 V wurde 1951 eingeführt, bis 1971 produziert und hat inzwischen Legendenstatus erreicht. Bis heute wird es in hochwertigen Produktionen, beispielsweise bei Orchesteraufnahmen, eingesetzt und oft nachgefragt, was Neumann bereits zur laut eigener Aussage modernen Interpretation M 150 bewegte. Im Gegensatz zu diesem soll das neue M50 V eine originalgetreue Neuauflage des Klassikers sein, da man das Mikrofon nach Originalplänen aus dem Firmenarchiv fertige. Demnach ist das Mikrofon mit in 40 mm-Acrylkugel eingesetzter Kleinmembrankapsel ein Druckempfänger mit daraus folgender Kugelcharakteristik, was zu gleichbleibender Frequenzwiedergabe ohne Nahbesprechungseffekt oder Höhenabfall. Den Übertragungsbereich gibt Neumann mit 20-16.000 Hertz an, der maximale Schalldruckpegel liegt bei 118 Dezibel.

Das Original-Mikrofon wurde noch in Zusammenarbeit mit dem Nordwestdeutschen Rundfunk entwickelt – ein Indiz für dessen Alter.

Ein paar Veränderungen im Vergleich zum 1951-Original hat Neumann dennoch vorgenommen, wobei sich diese an der Entwicklungsgeschichte des Originals orientieren: Der für den Rundfunk entworfenen Variante M 250 ist der HF-dichte Steckverbinder entnommen, welcher vor Hochfrequenzen durch beispielsweise WLAN oder Mobilfunknetze schützen soll. Die Schaltung ist identisch mit der der letzten Original-Version M 50 c, was in besserem Rauschverhalten und Dynamikverhalten resultiere. Ersteres wurde durch eine neue Subminiaturröhre weiter verbessert – eine notwendige Änderung, da das Original AC701k von Telefunken nicht mehr erhältlich ist. Dadurch, dass die neue, unspezifizierte Röhre mehr Heizspannung benötigt, empfiehlt Neumann, die Wiederauflage nicht mit historischen M 50-Netzteilen zu betreiben. Umgekehrt ist das neu entwickelte NM V-Netzteil mit den historischen Vorbildern kompatibel, indem es sich automatisch an das angeschlossene Mikrofon sowie die Netzspannung anpasst.

Geliefert wird das Mikrofon im Koffer mitsamt der sogenannten Yoke-Halterung, die eine flexiblere Positionierung ermöglichen soll.

Genau wie das Original sieht Neumann das M 50 V bei großen AB-Stereoaufnahmen mit zwei Mikrofonen oder als DECCA-Tree mit drei M 50 Vs. Das dürfte jedoch ziemlich ins Geld gehen, denn für ein Mikrofon verlangt der Hersteller 12.400 Euro, wobei das Mikrofon erst auf Bestellung gefertigt wird. Bei Bestellung von zwei oder mehr Mikrofonen ist das Matching inklusive. Die Auslieferung soll laut Neumann im Februar starten.