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Interview Boris FX: Boris Yamnitsky zur Übernahme der Vegas-Creative Software

| Joachim Sauer

Magix verkauft in einem zweiten Schritt ein großes Software-Paket rund um Vegas Video an Boris FX. Wir hatten die Gelegenheit mit Boris FX-Gründer Boris Yamnisky ein Hintergrundgespräch zu führen und die Strategie zu hinterfragen.

360 Grad Kameravergleich Titel

 

BorisFX kauft Vegas:
Exklusives Interview mit BorisFX-Gründer Boris Yamnitsky

 

Nach der Insolvenz von Magix vor ziemlich genau zwei Jahren und dem Einstieg von rm equity partners von rund einem Jahr hat Magix nun nahezu alle wichtigen Assets an Boris FX veräußert, lediglich Music Maker, Video Deluxe und Video Pro X bleiben als wichtige Programme im Portfolio. Dabei hat Boris FX bereits vor einem dreiviertel Jahr Sequoia, Samplitude und Music Studio erworben und kauft nun auch noch Vegas Video, sowie die eng damit verbundenen Audioprogramme Sound Forge und Acid Pro. Bei Magix bleiben somit nur noch das Standardprogramm Video Deluxe, sowie die kleineren Derivate – wobei für uns fraglich ist, ob man dafür überhaupt noch Programmierer für die weitere Entwicklung hat. Wir gehen auf Basis von Insider-Informationen davon aus, dass die „Investoren“ eher einen Ausverkauf planen und die verbleibenden Programme so lange wie möglich noch am Markt halten, ohne in eine Weiterentwicklung zu investieren. Boris FX hat dagegen in eine deutsche Dependance investiert und übernimmt nun den größten Teil der Entwickler. So wird aus der Effektschmiede nun ein Komplettanbieter für Video- und Audiobearbeitung. Wir hatten die Gelegenheit im Vorfeld mehr zur dahinterstehenden Strategie zu erfahren.

Mit dem Kauf von Vegas wird BorisFX von heute auf morgen zum Schnittprogramm-Hersteller. Joachim Sauer konnte vor der Ankündigung exklusiv mit dem Gründer Boris Yamnitsky über die Hintergrunde sowie die Pläne sprechen.

WIE LIEF DIE ÜBERNAHME?

VIDEOAKTIV: Hallo Boris, herzlichen Glückwunsch zur Übernahme der ehemaligen Sony- und jetzt Matrix-Kreativprogramme. Sie sind nun seit mehreren Monaten Hersteller von Audioprogrammen. Wie groß war der Schritt vom Effektspezialisten zum Softwarehersteller?

Boris YamnitskyDas Unternehmen spezialisiert sich seit Mitte der 90er Jahre, ab 1995 auf Spezialeffekte. Wir sind also sehr vertraut mit Videobearbeitung, Videoerstellung und den zugehörigen Arbeitsabläufen, daher war der Schritt nicht schwer.

VIDEOAKTIV: Was den Workflow angeht, ja, aber als Hersteller von Effektsoftware und nicht von Software für Audio- und Videobearbeitung denke ich, dass das eine große Veränderung ist, oder?

Boris Yamnitsky: Ich gebe zu, dass Audio für uns ein ganz neues Thema ist. Videobearbeitung ist absolut nichts Neues. Unsere Tools verwenden wir dieselben Konzepte, zum Beispiel Bildausschnitt, Keyframe-Bearbeitung, was auch immer. Wir setzen auch mehrere Spuren und Clips zusammen. Aber ich gebe zu, wir haben noch keine Video-Schnittplattform entwickelt.

VIDEOAKTIV: Und es gibt viel mehr Entwickler-Personal zu managen?

Boris Yamnitsky: Bis zu einem gewissen Grad, aber das Unternehmen ist in den letzten 13 Jahren in den USA, im Vereinigten Königreich und jetzt in Deutschland gewachsen.

VIDEOAKTIV: Warum hat Boris FX Vegas nicht bereits mit der ersten Charge der Audioprogramme bei Magix herauslösen können? Verhandelt hat man doch sicher auch schon damals darüber.

Boris Yamnitsky:Die Gespräche laufen schon lange, ja. Aber ich bin so daran gewöhnt, verschiedene Software-Assets zu kaufen, dass es nicht allzu schwer war. Und fast unser gesamtes deutsches Team kam von Magix. Sie sind wirklich begeistert, Teil von etwas Neuem zu sein. Wir kündigen im Grunde eine neue Ära für die Vegas-Software an.

360 Grad Kameravergleich GRNeben Vegas Video übernimmt BorisFX auf Acid sowie Sound Forge und damit alle früheren Sony-Programme. Die Logo-Formsprache wurde schon angepasst.

 


ÄNDERUNGEN UND ENTWICKLUNG

VIDEOAKTIV: Die Entwicklung von Vegas Video fand, soweit ich das bisher nachvollziehen kann, bisher hauptsächlich in den USA statt, doch durch die Verknüpfung mit Magix Video Deluxe muss es wohl auch in Deutschland Entwickler gegeben haben. Sind in Deutschland und in den USA alle Vegas-Entwickler noch an Board, oder hat Magix im Rahmen der Umstrukturierung bereits das Entwicklerteam abgebaut?

Boris Yamnitsky: Die besten Entwickler von Magix sind zu Boris FX gestoßen. Sowohl auf der Audio- als auch auf der Videoseite. Im Audiobereich haben wir Sequoia, Samplitude und Music Studio. Aber ich sollte auch Acid und Sound Forge erwähnen, diese beiden Produkte stehen in engem Zusammenhang mit Vegas und wurden gleichzeitig entwickelt, sie teilen viel Code und Technologie. Jedes Programm hat seine eigenen Vorzüge für den Audiomarkt.

VIDEOAKTIV: Auf welche Veränderungen müssen sich Anwendende bei Vegas Video einstellen? Es gibt relativ enge Verknüpfungen mit Magix Video Deluxe, sowohl bei der Programmbasis als auch im Hintergrund, zum Beispiel den KI-Lösungen, die per Kontingent verwaltet werden.

Boris Yamnitsky: Ich gehe davon aus, dass sich viel ändert, weil Boris FX im Grunde ein ganz anderes Unternehmen ist als Magix. Wir legen Wert auf die Qualität, auf die Leistung. In den letzten Jahren haben wir uns mit KI und maschineller Lerntechnologie beschäftigt und sind mit dieser Technologie bereits sehr erfolgreich. Dinge wie Rauschunterdrückung, Video-Upscaling für das Video, Audio-Rauschunterdrückung und Maskierung, Rotoscoping und so weiter, gibt es bereits. Wir werden diese Technologien in Vegas implementieren. Wir haben bereits jetzt die Text-zu-Sprache- und Sprache-zu-Text-Module ausgetauscht um die textbasierte Bearbeitung oder Untertitel zu erleichtern. Wir versuchen immer, so viel Funktionen wie möglich lokal und nicht über die Cloud zu realisieren.

BorisFX Vegas PortfolioBorisFX war bisher für seine umfangreiche Effektsoftware bekannt, integriert nun aber Ton- und Videoschnittprogramme in sein Portfolio.

ZUKUNFTSHERAUSFORDERUNGEN, PREISMODELL UND ZIELGRUPPE

VIDEOAKTIV: Es gibt nicht mehr viele Hersteller von Schnittsoftware und entsprechend ist nicht so einfach, seine Spezialeffekt-Software an andere Entwickler zu verkaufen. Für das ursprüngliche Portfolio von BorisFX wird der Markt damit enger, oder nicht?

Boris Yamnitsky: Es ist ein sehr komplexer Markt, du hast recht. Aber ich glaube, dass Boris FX eine sehr einzigartige Formel für ein Softwareentwicklungsunternehmen hat. Wir waren in den letzten 13 Jahren sehr erfolgreich damit. Ich bin also absolut zuversichtlich, dass wir mit Vegas genauso erfolgreich sein werden, wie wir es bereits mit Mocha Pro, Silhouette, Syntheyes oder Sapphire sind und bleiben.

VIDEOAKTIV: Welche Art von Preismodell ist geplant?

Boris Yamnitsky: Was die Lizenzierung angeht, sind wir tatsächlich ziemlich flexibel. Wir bieten Lizenzen für unsere Unternehmenskunden an, wie z. B. Floating-Lizenzen und führen aber auch die login-basierte Lizenzierung ein, die eher für einzelne Nutzer geeignet ist, sodass sie das Produkt einfach mit ihren eigenen Anmeldedaten und ihren alten Konten lizenzieren können. So kann man seine Lizenz überall hin mitnehmen. (Anmerkung der Redaktion: Detailinfos in der News.)

VIDEOAKTIV: Welche Zielgruppe peilen Sie langfristig mit Vegas-Video an?

Boris Yamnitsky: Wir richten uns weitgehend an den Markt für Creator, meist Einzelpersonen, die ihre eigenen Videos professionell erstellen. Es könnte in Zukunft eine günstigere Version von Vegas geben, die an Movie Studio anküpft, das Magix es schon vor einiger Zeit hatte, aber der anfängliche Schwerpunkt der Entwicklung ist in Richtung der professionellen Nutzer.

 

 

 

 

Autor:
Joachim Sauer
Bildquellen:
BorisFX, MEDIENBUREAU

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