GoPro fusioniert mit Starman Optical: Rekapitalisierung und Neupositionierung
GoPro hat sein Finanzproblem gelöst und wird Teil einer Unternehmensgruppe und soll weitere Geschäftsfelder erobern. Die Investoren wollen in Märkte für KI-Rechenzentren, Verteidigung und Luft- und Raumfahrt expandieren.
In der Pressemitteilung betont GoPro, dass man die bestehenden Verbraucherprodukte sowie seine Abonnement- und Cloud-Plattform weiterhin unterstützen wird. Doch die Investoren verschmelzen Starman Optical mit GoPro, wobei GoPro die überlebende Gesellschaft ist und Tochter von Action Acquisitions LLC. Bestehende GoPro-Aktionäre bekommen insgesamt 285 Mio. Dollar in bar und sollen anschließend noch ungefähr 10 % des Unternehmens halten. In der Pressemeldung heißt es weiter, dass die ausstehenden Verbindlichkeiten von GoPro in Höhe von etwa 92 Millionen US-Dollar bei Abschluss vollständig zurückgezahlt werden, wodurch eine saubere, im Wesentlichen schuldenfreie Bilanz entstehen soll. Das ungewöhnliche an dem Geschäft ist, dass Starman Optical Inc. Gerade erst am 31. August 2026 in Delaware gegründet wurde. Das operative Photonikgeschäft läuft offenbar hauptsächlich über Starman New Photonics, das erst 2025 entstanden sein soll. GoPro hat durchaus handfestes zu bieten und bringt laut Pressemitteilung mehr als 2.500 US-Patente sowie Entwicklungserfahrung für Kameras, Optik, Bildverarbeitung und miniaturisierter Hardware ein. Genau diese Fähigkeiten lassen sich grundsätzlich auch außerhalb von Actioncams einsetzen, wobei GoPro sich bereits vor diesem Deal begonnen hat sich in Richtung Defense/Aerospace zu orientieren. Starman bringt dagegen optische Transceiver in die Fusion ein – also Komponenten, die elektrische Hochgeschwindigkeitsdaten in optische Signale umwandeln und beispielsweise GPUs und Switches in großen AI-Rechenzentren verbinden. Mit der Fusion will man den Wert von GoPros geistigem Eigentum nutzen und Wachstumspotenzial in Verbraucher-, kommerziellen und Verteidigungsmärkten suchen. Dabei will man, passend zum derzeitigen von der US-Regierung vorgelegten Strategie, die Fertigung von Produkten für strategische Märkte in die USA verlagern.
Was steckt wirklich hinter dem Deal: Joachim Sauer analysiert was die Fusion von Starman Optical mit GoPro dem Kameramarkt bringen könnte.
Spannend dürfte dabei sein, ob GoPro tatsächlich am ursprünglichen Geschäftsfeld festhält und weiterhin Actioncams anbietet. Denn in den letzten Jahrzehnten hat GoPro bereits verschiedene Versuche zum Beispiel mit eigenen Drohnen gemacht, doch es ist nicht gelungen neben der Hero-Serie weitere Produkte zu etablieren. Schon der derzeitige Schritt zur Mission 1 Pro und viel mehr der Mission 1 Pro ILS, die beide zwar als Actioncams positioniert sind, ist ein Experiment mit unbekanntem Ausgang. Vor allem die ILS-Variante dringt mit MFT-Bajonett deutlich mehr in das Segment klassischer Kameras vor. Wobei für solche Kameras das Marktvolumen deutlich kleiner ist als bei Actioncams, die ebenfalls kein Wachstumssegment mehr sind. Im ersten Schritt will man nun die in den USA hergestellten optischen Transceiver von Starman ins GoPros Portfolio aufnehmen und damit die Weichen stellen, um auf den großen und schnell wachsenden Markt für KI-Infrastruktur im Bereich optischer Transceiver reinzukommen. Starmans Transceiver-Geschäft soll dabei so margenstarke Umsätze erzeugen, die man ein Expansion in neue Märkte finanzieren kann. Wenn der Plan funktioniert, kauft Starman für 285 Mio. Dollar also nicht einfach einen Actioncam-Hersteller, sondern bekommt eine starke Marke, ein Engineering-Team, das durchaus Optik-Know-how sowie Patente mitbringt. Zudem gelangt man so schnell an ein Nasdaq-Listing. Daraus könnte eine börsennotierte amerikanische Photonik-/Imaging-Gruppe entstehen – wobei in diesem Szenario das bestehende Consumer/Kamerageschäft, wenn überhaupt, eher eine Randerscheinung spielen dürfte.
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Bildquellen: Starman New Photonics, MEDIENBUREAU |