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Insta360 Luna Ultra im Praxistest: Gimbal-Kamera-Platzhirsch

| Joachim Sauer

Noch wird der Gimbal-Kamera-Markt von DJI beherrscht – doch Insta360 greift mit der Luna Ultra an und bringt ganz eigene Ideen für diese Kategorie mit.

360 Grad Kameravergleich Titel

 

IM TEST:
Insta360 Luna Ultra, 729 Euro
getestet im Creator Bundle, 930 Euro

 

{loadposition nsk_rc1Gimbal-Kameras liegen gerade voll im Trend und werden von vielen YouTubern und SocialMedia-Produzenten eingesetzt und ersetzen dort die lange Zeit vorherrschenden Actioncams, aber auch größere Kameras, die auf größeren Gimbals Dienst tun. Ihr Vorteil ist schnell erklärt: Sie sind kompakt und somit schnell am Start, wenig auffällig und leichter in engen Räumen zu nutzen. Sie machen gute Bilder und bieten eine gute Audioanbindung, sprich eine direkte Kommunikation mit Funkmikrofonen. Mit der Luna Ultra und der ab Donnerstag (30.07.2026) auch hierzulande offiziell angekündigten DJI Osmo Pocket 4P gibt es nun zwei Gimbal-Kameras, die nicht allein auf das typische Weitwinkel setzen, sondern ein 3-fach-Zoom bieten. Damit werden die Gimbal-Kameras für eine breitere Zielgruppe interessant: Neben dam klassischen Selfie-Dreh kann man sie nun auch bei Veranstaltungen einsetzen um aus größerer Entfernung zu drehen und die Gestaltungsfreiheit wird deutlich größer. Die Luna Ultra ist seit einem Monat verfügbar und nach dem Hands-On nun nach langen Einsätzen in der Praxis hier im Test.

Joachim Sauer und Produktdesigner Benedict Stammeijer haben in den letzten Wochen viel mit der Luna Ultra gedreht und erarbeiten Stärken und Schwächen.

GIMBAL-FORMAT

DJI und Insta360 führen gerade einen harten Wettbewerb aus – und bezichtigen sich gegenseitig verschiedener Patentverletzungen. Fakt ist: Die erste Gimbal-Kamera war die DJI Osmo Pocket, die spätestens mit der dritten Version diese Kameragattung geprägt hat. Da kann sich auch die Luna Ultra nicht ganz abkoppeln, auch wenn man die Kameras im Gegensatz zur Osmo Pocket 4 nebeneinander statt untereinander anordnet. Der Kamerakopf, aber auch das Display ist etwas größer, und dennoch bleibt es ein äußerst kompaktes Arbeitswerkzeug. Besonderheit ist die Bedieneinheit, die zwar gut erreichbar an der vertrauten Stelle untergebracht ist, sich aber auch abtrennen lässt. Eingeschaltet wird die Kamera durch Drehen des Displays – egal ob die Einheit am Gimbal untergebracht ist oder man sie aus der Ferne steuert. Einen echten Mehrwert liefert das in die Bedieneinheit integrierte Mikrofon, vor allem bei Vlogs oder Reportage-Situationen.

360 Grad Kameravergleich GRDie Luna Ultra bietet Insta360 in weiß und in schwarz, wobei sie insgesamt etwas größer ausfällt als die bisherigen Gimbal-Kameras.

BEDIENUNG

Ob Actioncam, 360-Grad-Kamera oder Gimbal-Kamera: Die Bedienkonzepte ähneln sich inzwischen so stark, dass man kaum noch etwas erklären muss, denn vom Startbildschirm kommt man über das Streichen in verschiedene Richtungen über den Touchscreen in die Wiedergabe, die Bildeinstellungen und die Grundeinstellungen. Allenfalls die Aufteilung in den Einstellmenüs  ist leicht unterschiedlich. Entscheidender sind die „äußeren“ Werte – sprich die Tasten und Hebel. Der Joystick zur Steuerung der Gimbalbewegung gefällt uns dabei nicht wirklich: Statt sanft die Bewegung starten zu können kennt der Hebel in jede der vier Richtungen nur an oder aus. Wer damit wirklich eine Bewegung aufnehmen möchte, muss deshalb die Gimbal-Bewegung über das Einstellmenü auf langsam setzen, weil schon in mittlerer Geschwindigkeit zu schnell anfährt und wahrscheinlich auch nicht den passenden Stoppunkt erwischt. Zweites Problem: Das Gimbal gleichzeitig nach oben und zur Seite zu bewegen klappt ebenfalls nicht. Das ist schon eine große Einschränkung im Nutzen als steuerbare Kamera aus der Ferne. Dafür integriert Insta360 neben dem Joystik, einer selbst belegbaren Taste und dem Record-Button noch einen eigenen Schieber für die Zoomsteuerung, der  ordentlich funktioniert, aber uns persönlich nur einen geringen Mehrwert bietet. Zoomen um die passende Einstellung zu finden ist natürlich praktisch, doch während des Filmens bewegt man sich besser mit der Kamera – das sieht einfach besser aus und zudem kann man genaugenommen mit der Luna Ultra nur in den zwei nativen optischen Brennweiten von 20 und 60 Millimeter verlustfrei arbeiten.

Insta360 LunaUltra Praxistest BedieneinheitDie abnehmbare Bedieneinheit ist ein klasse Feature, aber leider bietet der Joystick keine Zwischenstufen zum langsamen Anfahren von Gimbal-Bewegungen, sondern kennt nur an oder aus.

 


OPTISCHE EIGENSCHAFTEN

Über den Zoom-Schieber lassen sich leicht die unterschiedliche Brennweiten ansteuern, doch zwangsläufig sind die Zwischenstufen ein digitales Zoom mit den damit verbundenen Qualitätsverlust und zudem sieht man einem Ruckler, wenn die Optik getauscht wird. Für echte Zooms ist das also eher nichts. Sinnvoller ist es eine der zwei Brennweiten zu wählen und sich dann mit der Gimbal-Kamera zu bewegen. Die Umschaltung zwischen der 20 und 60 Millimeter-Optik funktioniert über das Touchdisplay leichter als über den Schieberegler. Die beiden Optiken arbeiten mit leicht unterschiedlichen Blenden: Die Hauptkamera arbeitet mit Blende F1.8 während die Telekamera Blende F2.0 hat. Hinter den Optiken sind, wie bei andt eren Hersterllern und Kameragattungen, unterschiedlich große Sensoren mit einem Zoll bei der Hauptkamera für die der Hersteller 14 Blendenstufen Dynamikumfang angibt. Bei der Teleoptik tut dagegen ein 1/1,3 Zoll Sensor dienst, für die der Hersteller keinen Dynamikumfang angibt – aber immerhin bietet die Kamera auch hier eine Aufzeichnung mit 10-Bit-Farbtiefe mit I-Log-Farbprofil an – so dass wir festhalten können, dass das Kamerasystem aus beiden Brennweiten beim Dynamikumfang keine großen Unterschiede sichtbar macht.

Mit Brennweiten von 20 und 60 Millimetern bietet die Luna Ultra für eine Kamera dieser Größe genug Varianz.

CINE-LOOK

Bei einer Gimbal-Kamera dieser Größenordnung vom Cine-Look zu sprechen erscheint zuerstmal gewagt – doch die beiden Sensoren sind vergleichsweise groß, die Blenden ebenfalls, so dass die Kameras zumindest mit einer gewissen Unschärfe arbeiten, durchaus Freistellungspotential hat. Damit lässt die Luna Ultra professionelle Ambitionen erkennen, doch in der Praxis greifen viele genau dann zu einer Gimbal-Kamera, wenn mit möglichst wenig Aufwand schnell brauchbares Material entstehen soll. Deshalb stattet Insta360 die Kamera mit Leica-Farbprofilen aus, die direkt aus der Kamera einen überzeugenden cineastischen Bildeindruck liefern und eine nachträgliche Farbkorrektur weitgehend überflüssig machen – denn auf die Automatische Belichtung der Luna Ultra kann man sich weitgehend verlassen. Sie regelt zudem so sanft nach, dass es nur genauen Beobachtern auffällt. Wer sich für keinen der Leica Looks begeistern kann, bekommt zudem Dolby Vision geboten – und das mit bis zu 8K Auflösung und im Rec. 2020 Farbraum, allerdings nicht wie im professionellen Segment mit 12-Bit, sondern lediglich mit 10-Bit-Farbtiefe. Mit I-Log ist zudem ein Log-Profil an Bord, auch hier mit 10-Bit-Farbtiefe. Im Gegensatz zur Actioncam Ace Pro 2 kann man bei der Luna I-Log aber im Normalmodus in allen Auflösungen und Bildraten nutzen.

2026 06 Insta360 LunaUltra UnschaerfeInsta360 setzt bei der Luna Ultra auf einen 1‑Zoll-Sensor in Kombination mit einer von Leica berechneten Optik mit F1.8. Das macht sich bemerkbar in einer durchaus eleganten Unschärfe im Hintergrund.

BILDSTABILISIERUNG

Eine Gimbalkamera muss vor allem eines leisten: Sie soll das Bild auch dann ruhig halten, wenn die Kamera in Bewegung ist. Genau das gelingt der Luna Ultra sehr zuverlässig; ein besonders weicher Gang ist dafür nicht zwingend nötig, auch wenn er selbstverständlich hilft. Ebenfalls überzeugend erfüllt sie die Erwartung an ein gutes Motiv-Tracking, bei der Personen und Objekte sicher erkannt und präzise verfolgt werden. Die Nachführung wirkt flüssig, der Bildausschnitt bleibt dabei angenehm ruhig und nicht hektisch – das klappt perfekt bei einer Person – sind mehrere Personen im Bild kann man seine Wunschperson markieren. Doch jetzt klappt das nicht mehr ganz so zuverlässig, denn die Personenerkennung lässt sich durch den Perspektivwechsel schnell durcheinander bringen und wechselt somit die im Fokus stehende Person. Dennoch: Gerade Solo-Creator und Vlogger profitieren davon deutlich, wenn sie sich selbst aufnehmen möchten, ohne ständig auf das Display der abnehmbaren Bedieneinheit schauen zu müssen – zumal das wenig elegant wirkt. Nebenbei bemerkt: Die Gimbalkamera bietet natürlich mehrere Betriebsarten und muss den Horizont nicht immer strikt stabilisieren. Im FPV-Modus kann sie stattdessen für eine bewusst dynamische, elegante Bildwirkung sorgen.

Insta360 LunaUltra Praxistest GimbalmodiNatürlich kann man die Beruhigung im eigenen Menü einstellen, wobei die unterschiedlichen Modi mit kurzen Texten erklärt werden.


VIDEOFORMATE

Die Luna Ultra beherrscht eine Videoauflösung bis zu 8K mit 30 Bildern, 4K mit bis zu 120 Bildern und Full-HD mit bis zu 240 Bildern in der Sekunde. Somit hat die Kamera das Zeug, um bereits in 4K ordentliche Zeitlupen hinzubekommen – wobei viele letztlich Full-HD ausgeben, so dass zumindest bei Zeitlupen auch diese Auflösung in Frage kommt. In 4K-Auflösung gibt es zudem eine Zeitraffer-Funktion mit 30 Bildern in der Sekunde. Und wer lieber direkt hochkant filmt, bekommt mit dem Wechsel automatisch in eine 3K-Auflösung mit bis zu 60 Bildern. Sinnvoll erscheint uns dies allerdings nur, wenn man ohne viel Nachbearbeitung direkt auf die Social-Media-Kanäle posten möchte – ansonsten schränkt der Modus die Nutzbarkeit des Material unnötig ein. Auch für ein Video interessant kann dagegen das Landschaftspanorama sein, bei dem die Kamera mit einer horizontalen Rotation des Gimbals die Umgebung „scannt“. Und wer mit der Kamera fotografieren möchte, kann dies mit den vollen Sensorauflösungen von 37 und 33 Megapixeln tun, wobei die Kamera nach der Aufnahme etwa 3 Sekunden braucht, um die Bilder zu speichern. Deshalb bietet Insta360 auch die Fotoaufnahme mit neun respektive acht Megapixeln an, was dann immerhin noch 4K-Auflösung entspricht.

Insta360 LunaUltra Praxistest AufloesungenBewusste Bewegungsunschärfe im Hintergrund – mit höheren Bildraten und passenden Einstellungen ist das offensichtlich machbar.

AUDIO- WORKFLOW

Interessant wird die Luna Ultra durch die Art, wie sie sich in den Produktionsalltag einfügt. Die abnehmbare Bedieneinheit dient – wie schon beschrieben – nicht nur als Bildschirm und Steuerzentrale, sondern lässt sich zugleich als kabelloses Mikrofon nutzen. Sogar der Wechsel vom eingebauten Mikrofon zur Bedieneinheit funktioniert ohne hörbaren Bruch. Allerdings ist das Mikrofon klar darauf ausgelegt, in einem Abstand gehalten zu werden, bei dem das Display weiterhin im Blick bleibt. Führt man es zu nah an den Mund, fällt der Pegel schnell zu hoch aus. Für einfache Aufnahmesituationen kann das zusätzliches Zubehör spürbar reduzieren. Unabhängig davon lässt sich die Luna Ultra natürlich auch mit dem neu vorgestellten und von uns getesteten Mic Pro verbinden; das zudem im Creator Bundle enthalten ist und sich dank e-Ink-Display mit dem eigenen Logo versehen lässt.

Insta360 LunaUltra Praxistest TonmenueDas Menü suggeriert eine freie Wahl des Mikrofons – das ist aber nicht möglich.

Das Mikrofonarray des Mic Pro lässt sich über ein eigenes Menü steuern, jedoch nur wenn die Bedieneinheit mit der Kamera verbunden ist. Theoretisch sollte man im Tonmenü auch die Audio-Quelle zwischen Mic Pro, Bedieneinheit-Mikrofon und Gimbal-Mikrofon wählen können, tippt man allerdings auf die Menüpunkte, bekommt man keine Reaktion. Wir gehen aber davon aus, dass Insta360 diese Funktion mit einem der folgenden Firmware-Updates noch nachreicht. Sonst gefällt uns das Audiomenü, da es sehr umfangreich und trotzdem leicht verständlich ist. Einzig die Pegelmöglichkeit hätte man schneller erreichbar machen können.

 

FAZIT

Joachim Sauer VIDEOAKTIV Autor

Unterm Strich überzeugt die Insta360 Luna Ultra mit einer wirkungsvollen Stabilisierung, einer insgesamt unproblematischen Bedienung und einem echten Pluspunkt durch die abnehmbare Bedieneinheit. Dazu kommen eine breite Auswahl an Auflösungen, hohe Bildraten und ein Log-Profil; die gemeinsam mit Leica entwickelten Bildprofile und Dolby Vision sorgen außerdem für professionelle, aber eben auch schnelle Ergebnisse direkt aus der Kamera, während I-Log in allen Auflösungen die Dynamik erhöht.

Allerdings schwächelt die Kamera in durchaus wichtigen Details, wie dem Joystick, mit dem man entweder horizontal oder vertikal schwenken kann – aber eben nicht beide Richtungen gleichzeitig bewegen kann. Noch lästiger ist die fehlende Steuerbarkeit der Gimbal Geschwindigkeit, da der Joystick nur an oder aus kennt. Hier haben die Entwickler an der falschen Stelle gespart.

+ abnehmbare Bedieneinheit mit Mehrwert
+ gute Bildstabilisierung
+ I-Log-Aufzeichnung
- Tracking mit mehreren Personen ungenau
- Gimbalsteuerung per Joystick nur in eine Richtung

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DATEN

DATEN UND TESTERGEBNISSE

Insta360 LunaUltra Praxistest Tabellenbild

Hersteller Insta360
Modell Luna Ultra
Preis 729 Euro (Basismodell)
930 Euro (Creator Bundle, u.a. Zusatzakku und 155 cm-Selfie-Stick)
Abmessungen 5,3 x 15,5 x 4,7 cm
Gewicht 300 g
Internet www.insta360.com
DATEN
Aufzeichnungsformate 8K (30/25/24p), UHD (120/100/50/48/30/25/24p), 2,7K (120/100/50/48/30/25/24p), Full-HD (240/200/120/100/50/48/30/25/24p)
max. Datenrate 120 Mbit/s
Codecs (Dateiformate) H.265, H.264
Max. Abtastung intern 4:2:0 (10 Bit, 8 Bit)
Aufnahmemedien interner Speicher/Micro-SDXC
Bildwandler/Auflösung 1 und 1/1,3 Zoll/37 und 33 Megapixel
BILDQUALITÄT max. 44 Punkte 34/gut
Outdoor sehr gut
Indoor sehr gut
Lowlight sehr gut
Bildberuhigung hervorragend
Aufnahmewinkel (min - max.) 69 - 84 Grad
TON max. 7 Punkte 6/sehr gut
Tonaufnahme stereo
Mikrofonanschluss drahtlos
Tonqualität gut
AUSSTATTUNG max.23 Punkte 16,5/gut
GPS-Empfänger/Bluetooth/WLAN •/•/•
Akkufach/Zusatz-Akku •/• 
Anschlüsse USB-C
USB-C Speicher (intern/Karte) 47 GB/Micro-SD
Spritzwasserschutz
wasserdicht/Tiefenangabe  —/0 m
Unterwassergehäuse
Objektiv drehbar
Überkopfkorrektur manuell/automatisch
LED-Leuchte optional
Intervall-Fotofunktion
Aufnahmeloop
Pre-Recording 15 Sek.
Lieferumfang Stativgewinde, sonstige Halterung
BEDIENUNG max.26 Punkte 19,3/sehr gut
Bedienungsanleitung nur digital, vollständig, verständlich
Akkulaufzeit  200 Minuten 
Akku-Ladezustand grafisch
Fernbedienung optional und via App
Smartphone-App Insta360 Flow
Touch-Dsplay
Status/Kontroll-Display (Diagonale) •/• (5 cm)
Ein-Tasten-Aufnahme
gut erkennbare Record-Funktion
Menüstruktur übersichtlich und logisch
Fernsteuermöglichkeit sehr gut
Tasten/Handhabung gut bedienbar (auch mittels Gesten-/Sprachsteuerung)
va logo kl 100  
Urteil max.100 Punkte sehr gut 76,5
Preis/Leistung sehr gut

 

 

Autor:
Joachim Sauer
Bildquellen:
Insta360, Joachim Sauer, Jonas Schupp MEDIENBUREAU

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