Praxistest: Aiarty Video Enhancer – Video-Aufbereitung mit Künstlicher Intelligenz
| Jonas Schupp
Künstliche Intelligenz macht vieles möglich, so zumindest die Theorie. Aiarty verspricht einfache und schnelle Aufbereitung und Verbesserung von altem und schlecht aufgenommenen Videomaterial. Wir haben den Video Enhancer getestet.
Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben und jenseits aller Debatten eröffnen sich neue Möglichkeiten, um mittels der KI beispielsweise alte Aufnahmen zu restaurieren und für aktuelle Projekte und Auflösungen aufzubereiten. Genau auf solche Aufgaben zugeschnitten ist das passenderweise Video Enhancer genannte Programm von Aiarty. Dieses soll nicht nur qualitätsverlustfrei hochskalieren können, sondern dabei auch noch unter anderem Rauschen reduzieren und Klarheit erhöhen. Alles Aufgaben, die vor KI ein Ding der Unmöglichkeit waren. Schafft der Video Enhancer das Unmögliche?
Jonas Schupp hat die drei KI-Modelle des Aiarty Video Enhancers ausgetestet und zeigt im Video den direkten Vergleich zwischen Ursprungs- und verbesserten Aufnahmen.
BEDIENUNG
Öffnet man das Programm, gibt einem dieses zuerst Informationen über die verwendete Hardware und weist einen auf gegebenenfalls ausstehende Firmware-Updates und eventuelle Hindernisse hin. In unserem Fall stand ein Treiberupdate der Grafikkarte aus, was wir umgehend durchführten. Die Benutzeroberfläche präsentiert sich aufgeräumt und klar strukturiert, beim genaueren Hingucken fallen die vielen kleinen Erklärungen zu einzelnen Menüpunkten auf. Damit verstehen auch Neulinge und branchenfremde Anwendende die Software schnell und können erste Ergebnisse erzielen.
Die Bedienoberfläche präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich. Kleine Erklärungen erleichtern den Einstieg.
Lädt man eine Datei, wird diese in einer Liste dargestellt, darüber ist das Hauptfenster mit Vergleichsansicht zwischen Ursprungsclip und der Vorschau. Dabei kann man zwischen einer Vorschau mit beweglicher Vorher-Nachher-Linie oder einer in der Mitte geteilten Vorschau mit gleichen Darstellungen beider Videos. Letztere ist für uns jedoch eher unübersichtlich und die Vorschau mit beweglicher Linie für einen direkten Vergleich besser geeignet. Hat man einen Clip ausgewählt und alle Einstellungen vorgenommen, stellt man mittels „Aufgabe hinzufügen“ einen Exportauftrag. Möchte man an diesem noch etwas ändern, muss man diesen erst separat auswählen, auf „Anpassen“ klicken und die Änderungen über „Anwenden“ bestätigen. Anpassbare blaue Start- und Endmarker grenzen den zu exportierenden Bereich ein.
Aus dem Material stellt man Aufträge zusammen, welche man entweder direkt oder als Stapel im Anschluss ausführt.
MEHR DETAILS
Drei KI-Modelle stehen zur Auswahl: moDetail-HQ, smooth-HQ und superVideo vHQ. Ersteres soll sich besonders für die Verbesserung von Details und Schärfe, wobei vor allem feine Texturen überzeugend nachgebildet werden sollen. Für eine bessere Qualität kann man auf Kosten der Bearbeitungs-Geschwindigkeit den Schrittmodus aktivieren, „Turbo“ hilft dann, wenn es auf Kosten der Bildqualität mal schnell gehen muss. Wir testeten moDetail-HQ mit einem alten Full HD-Video zum C80-Mikrofon von Sony, um die KI mit den feinen Texturen von Mikrofonkorb und Poppschutz gehörig auf die Probe zu stellen. Hochskaliert nach 4K schaffte es das Programm tatsächlich, die feinen Texturen des Mikrofons, aber auch der Personen im Bild nachzubilden und gegenüber dem HD-Bild ist ein Detailzuwachs erkennbar – bei statischen Objekten deutlicher als bei sich bewegenden. Allerdings schafft des moDetail-HQ nicht ganz, die Farben des Originals nachzubilden, was besonders bei Grafiken im Bild auffällt.
Detailzuwächse sind sowohl beim Mikrofon im Bild als auch (weniger stark) bei Personen auszumachen.
Mehr Details galt es, aus der Testaufnahme eines Wasserfalls auf den Philippinen herauszuholen. Diese besaß vergleichsweise verwaschene Texturen und wenig Dynamik, wobei der Enhancer diese Dynamik beibehielt und nur minimal verbesserte. Generell wurde die Szene beim Verbessern und Hochskalieren nur behutsam aufbereitet. Wunderwerke kann man also nicht erwarten, doch das bearbeitete Video ist dennoch um Längen besser als das Ausgangsmaterial.
Mehr Details hat auch die Wasserfall-Aufnahme bekommen. Die Bilddynamik blieb dabei erhalten und wurde behutssam ein bisschen verbessert.
SMOOTH SAILING
Im zweiten Test war das zweite KI-Modell smooth-HQ an der Reihe, welches vor allem bei der sanften Aufbereitung alter und fehlerhafter Clips seine Stärken ausspielen soll. Zwei Clips traten zum Test an, die beide mit einer alten Kamera oder aber einem älteren Handy in 17:9-Full HD mit 2400 x 1080 Pixeln aufgenommen wurden. Hier galt es, neben dem Hochskalieren auf 4K mehr Qualität aus den ziemlich verwaschenen Texturen herauszuholen, um die Qualität auf ein gutes aktuelles Niveau zu heben. Beide Clips beinhalten dunkle, unscharfe Drohnen vor hellem Hintergrund. smooth-HQ schaffte es, diese Drohnen ein Stück deutlicher und heller zu machen und auch die Details im Hintergrund behutsam zu erhöhen. Auch hier: Wunder kann die KI nicht leisten, aber die alten Aufnahmen auf ein beispielsweise für Social Media verwendbares Niveau heben.
Mehr Details im Wasser und die Drohne ist besser erkennbar – das macht smooth-HQ.
WENIGER RAUSCHEN
Das dritte KI-Modell hört auf den Namen superVideo vHQ und dient, so Aiarty, primär der Entrauschung von Aufnahmen bei gleichzeitiger Detailwiederherstellung. Eigentlich wie geschaffen, um Aufnahmen mit hoher ISO aufzuwerten. Also trat zum Test eine ISO-Testreihe an – als Beispiel musste die Sony ZV-E10 II herhalten. Alle guten Dinge sind für Aiarty wohl drei, denn auch superVideo vHQ funktioniert dezent und behutsam. Das Bildrauschen wird dabei gut, aber nicht vollständig reduziert und die Details sanft verbessert, wobei das verbesserte Bild etwa einem Bild direkt aus der Kamera mit zwei ISO-Stufen niedriger entspricht, also ISO 12800 wird zu ISO 3200, ISO 6400 zu ISO 1600 und so weiter. Doch auch hier trifft das Programm die Originalfarben nicht zu 100 Prozent.
Die Aufnahme mit ISO 12800 wertet der Aiarty Video Enhancer auf ein mit ISO 3200 vergleichbares Niveau auf.
WEITERE BEDIENELEMENTE
Neben den KI-Modellen wartet das Programm mit weiteren Bedienelementen auf: unter „Bearbeiten“ verbergen sich rudimentäre Werkzeuge zur Bearbeitung, unter „Farbe“ eine einfache Farbkorrektur. Interessant ist hingegen das Bedienfeld „Frame Interpolation“, mit welchem man das Ursprungsmaterial auf eine andere Bildwiederholungrate umwandeln und Zeitlupen realisieren kann. Im Test wandelten wir so ohne Probleme 25p-Material in 30pVideos um. Nicht empfehlen können wir zumindest derzeit den HDR-Modus, welcher normale SDR-Videos in solche mit hoher Dynamik umwandeln soll. Im Beispielmaterial sorgte die Software für eine deutliche Überbelichtung. Da der HDR-Modus aber noch in der Beta-Version ist, kann man hier zeitnah Verbesserungen erwarten. Besser macht es das Audio-Denoise-Werkzeug, welches eine wirkungsvolle Nebengeräusch-Reduzierung wie beispielsweise Adobes „Essential Sound“-Suite bereithält.
Der HDR-Modus ist aktuell noch in der Beta, im Test war das Ergebnis ziemlich überbelichtet.
Uns gefällt, dass der Video Enhancer behutsam und sanft in das Originalmaterial eingreift und damit keine KI-typischen Artefakte oder Überzeichnungen produziert. Vor allem die Detailerhaltung und das Entrauschen hat es uns angetan, positiv ist auch die Tatsache, dass alle Arbeitsschritte lokal auf dem Gerät stattfinden und kein Hoch- und Runterladen von Daten erforderlich ist. Nicht zuletzt zwingt Aiarty einen nicht zu einem Abomodell, sondern ermöglicht entweder die jährliche oder zeitlich unbegrenzte Nutzung mit Einmalzahlung. Produktionsfirmen und alle, die gerne (oder gezwungener Maßen) mit Alt- oder Archivmaterial arbeiten, werden den Aiarty Video Enhancer sehr zu schätzen wissen. Nicht zuletzt, weil das Programm im Vergleich sehr schnell arbeitet, natürlich immer abhängig von der Hardware.
+ sanfte Verbesserung und Aufbereitung + schnelle Verarbeitung + für Neulinge verständlich + kein verpflichtendes Abomodell - HDR-Modus noch nicht praktikabel
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