Langzeit-Praxistest: Dell Pro Max 16 Plus – Absturzfrei im Dauerstress
| Jonas Schupp
Ein knappes Jahr musste sich Dells Workstation-Laptop im Praxistest beweisen, dabei nahezu immer unter Volllast. Abstürze? Fehlanzeige! Doch warum das Gerät trotzdem nicht für alle Anwendungen geeignet ist, lest Ihr hier.
IM TEST: Dell Pro Max 16 Plus, ab 2518 Euro Testgerät mit Zusatzausstattung, 6140 Euro
In der VIDEOAKTIV-Redaktion testen wir Schnittrechner nicht kurz mit Benchmark-Programmen, sondern immer über einen langen Zeitraum im echten Arbeitsalltag. So war auch das Dell Pro Max 16 Plus über elf Monate als Schnitt- und Arbeitsplatzrechner im Einsatz. Das bedeutet in der Praxis nicht nur zeitgleichen Videoschnitt, sondern zeitgleiche Kreativarbeit in Photoshop und Illustrator sowie mindestens zwei Browser mit mindestens 25 offenen Tabs zum Management von Inhalten für diverse Kunden – alles mit zwei angeschlossenen externen Monitoren. Eine hohe Belastung also und das nicht kurzfristig, sondern mindestens acht Stunden täglich.
DJoachim Sauer hatte den Dell Pro Max 16 Plus elf Monate lang im Praxiseinsatz und berichtet im Video, wie sich das Laptop dabei geschlagen hat.
GERÄT UND AUSSTATTUNG
Mit seinem 16-Zoll-Display gehört das Laptop zu den größeren Vertretern seiner Art und ist damit nicht mehr wirklich kompakt und mit einem Gewicht von über 2,5 kg auch nicht wirklich leicht – wem maximale Mobilität am wichtigsten ist, sollte sich unseren Vergleich dreier unterschiedlicher Laptopkonzepte anschauen. Das Pro Max 16 Plus ist mehr auf stationäre Arbeit als auf Mobilität ausgelegt. Das liegt zum einen am Gewicht von 2,84 Kilogramm als auch an den Maßen der sich zum einen durch den Bildschirm, aber vor allem aus der inzwischen eher unüblichen Bauhöhe ergibt. Hinzu kommt ein Netzteil, das selbst schon gewichtig und groß ist. Dafür besitzt das Gerät umfassende Anschlüsse für die Einbindung in ein Schnittsetup, darunter Thunderbolt 5, RJ45-Ethernet und HDMI 2.1. Wir haben die Anschlussmöglichkeiten trotzdem mit einer Docking Station von Sonnett erweitert, um beispielsweise einen weiteren externen Monitor anschließen zu können. Über diese lässt sich der Dell Pro Max auch mit via USB-C mit Strom versorgen – wenn auch nicht mit der nötigen Power, so dass man bei voller Leistung dennoch den Akku leerzieht. Praktisch dagegen ist die Laptop-Tastatur mit Ziffernblock, der Arbeit wie bei normalen Computertastaturen zulässt. Zudem besitzt die Tastatur einen guten Druckpunkt.
Das Dell Pro Max ist mit umfangreichen Anschlüssen ausgestattet.
Dell bietet – wie im Grunde jeder Hersteller – seine Rechner mit stetig wechselnden Preisen an. Hier reagiert man auf die ebenso dynamischen Komponentenpreise am Markt, beispielsweise die durch den KI-Boom stark gestiegenen Speicherpreise. Das bedeutet aber auch, dass die Preise für das Dell seit Testbeginn gestiegen sind. So starten die Preise derzeit bei 2518 Euro, wobei man dann natürlich nur die absolute Basisausstattung bekommt. Möchte man mehr, kann man aus zahlreichen Optionen für mehr Leistung oder Speicher wählen kann. Unser Testgerät hat als Prozessor anstatt des üblichen Intel Core Ultra 5 einen Intel Core Ultra 9 285HX, zwei 1 TB-SSDs sowie ein berührungsempfindliches 4K-Display anstatt des üblichen HD-Bildschirms und nicht zuletzt eine Nvidia RTX Pro 5000 Blackwell als Grafikkarte sowie satte 128 GB Arbeitsspeicher. Kehrseite der ganzen Upgrades ist der Preis, denn mit 6140 Euro befinden wir uns definitiv in Profi-Gefilden und auch diese werden sich zweimal überlegen, so viel Geld für einen Schnittrechner auszugeben. Die Gegenseite ist eben die Verarbeitung, die dem Profi-Niveau entspricht und extrem robust ist. Nach dem knappen Jahr ist das Laptop in einem Zustand, welcher der Neuauslieferung entspricht.
Während des Tests kam das Dell Pro Max meistens am Arbeitsplatz zum Einsatz. Angeschlossen waren zwei Bildschirme sowie eine Docking Station.
AUSDAUER
Damit sich die Investition rechnet, muss das Gerät lange reibungslos laufen. Keine Frage hängt dies auch an der Installation – aber bekanntlich auch an der Hardware, die unter hoher Dauerbelastung meist erheblich einbricht. Hier können wir dem Dell Pro Max 16 Plus hervorragende Leistungen ausstellen, denn es kam nicht ein einziges Mal zu einem Absturz. Das hat in erster Linie etwas mit der hohen Ausstattung, aber eben auch sehr stark mit dem Temperaturmanagement zu tun. Denn gerade wenn man an die Leistungsgrenze stößt, sorgt die Abwärme auf die Dauer für die Leistungseinbußen: Besonders dramatisch ist das beim Prozessor als auch bei den Speichern, die bei zuviel Wärme stark gedrosselt werden. Wenn beim Videoschnitt mehrere Spuren gleichzeitig hochkomprimiertes 6K- und 8K-Material von der Festplatte abrufen und der Prozessor diese dekomprimieren muss, führt das also unweigerlich dazu, dass die meisten Notebooks während der Timelinewiedergabe den Lüfter anschmeißen müssen. Der Dell Pro Max setzt zu weiten Teilen dagegen auf eine gute passive Lüftung, so dass die Lüfter nur selten richtig aufdrehen. Selbst wenn die Last stark ansteigt, sorgt Dell durch große Lüftungsöffnungen dafür, dass der Luftdurchfluss hoch, die Lärmbelästigung aber vergleichsweise dezent bleibt. Realistisch passierte das im Test tatsächlich ausschließlich beim Videoschnitt größerer Projekte oder bei der intensiven Bildbearbeitung in Photoshop.
Wir haben dabei den Dell Pro Max stets auf Maximalleistung und weitgehend im Netzbetrieb verwendet, da durch die gute Ausstattung der Stromverbrauch durchaus hoch ist. Zwei SSD, der Prozessor und die Grafikkartenausstattung fordern eine entsprechende Stromversorgung, die mittels Akku nicht allzulange parat steht: Ohne Stromzufuhr hält der Akku knappe 90 Minuten Videoschnitt unter Volllast durch. Jetzt sind eineinhalb Stunden im Vergleich zu derzeitigen Laptops nicht viel – wirklich auf Reisen schneiden wird somit schwer. Aber natürlich kann man in Dells eigenem Akku- und Temperatureinstellungsmenü die Akku-Laufzeitverlängerung anschalten. Damit ist zwar immernoch der Videoschnitt machbar, aber es geht auf Kosten der Leistung und limitiert die Timelinewiedergabe. Wer dagegen mobil andere Aufgaben erledigen muss, kommt damit ohne Probleme klar – die Leistungsreserven sind schließlich groß, so dass man selbst im Energiesparmodus seine Büroarbeit über mehrere Stunden machen kann, ohne dass man auf etwas Warten muss. Dennoch muss man fairerweise den Vergleich zum derzeitigen Branchenprimus Apple aufmachen, der das Energiemanagment so gut im Griff hat, dass man sich darum realistisch gar nicht kümmern muss und dennoch über das eigene Schnittprogramm Final Cut die mobile Bearbeitung gewährleistet.
Im dedizierten Menü kann man die Kühlleistung einstellen und die Akku-Laufzeitverlängerung aktivieren.
DELL SUPPORTASSIST
Eine Sache, die uns beim Pro Max 16 Plus und bei Dell allgemein sehr gut gefällt, ist das gebündelte Update-Management. Vorausgesetzt man lässt es zu, sucht Dell automatisch nach neuen Firmware-Updates für die verbaute Hardware, welche man dann an einem Zeitpunkt seiner Wahl oder auch automatisiert im Hintergrund installieren kann. Die Empfehlung lautet hier: Updates möglichst bald durchführen, aber keinesfalls automatisiert erledigen lassen. Denn im Produktionsalltag stören die doch teils sehr langen Updateprozesse, die man nicht inmitten eines großen Projekts oder gar eines Kundentermins erleigen will. Über den Verlauf kann man sich zudem über vergangene Updates informieren. Das ist jedoch nur ein Teil der „Dell SupportAssist“-Software, denn über diese kann man außerdem die Rechner- oder die Netzwerkleistung optimieren. Es lohnt sich auf diese Dell-Werkzeuge zurückzugreifen, da man hierüber zentral alle Komponenten verwalten und updaten kann. Zudem lassen sich hier die Leistung steuern oder auch die Akkuaufladung optimieren, so dass man, gerade wenn man viel mit Netzteil arbeitet, den Akku nicht ständig auflädt, sondern gezielt erst ab einer gewissen Entladung neu und bis maximal 80 Prozent beladen lässt.
Dells SupportAssist bündelt Funktionen wie Update-Management und Leistungsoptimierung in einer zentralen Anwendung.
PRAXIS
Dass das Laptop unseren Dauertest absturzfrei und leise bestanden hat, haben wir schon erwähnt. Das geht natürlich nur durch eine effiziente Kühlung, wobei Dell wie schon beim Precision 7780 auf große Öffnungen an der nutzerabgewandten Scharnierseite setzt. Diese halten das Lüftergeräusch in den allermeisten Fällen angenehm leise und das Gehäuse auch im Sommer kühl – mehr als handwarm wurde es an Tastatur und Touchpad nie. Dafür nimmt man auch gerne in Kauf, dass die Lüftung zum Teil direkt von unten auf den Bildschirm pustet und sich so nach einiger Zeit vermehrt Staub auf diesem ablagert. Da muss man eben einmal mit dem Tuch drübergehen und Staubwischen. Auf der Tonseite erwarten wir von einem Laptop keine analytische, breite „Wall of Sound“, denn allein schon bauartbedingt können integrierte Lautsprecher nicht mit professionellen Monitoren wie den Adam A4V an unserem Hauptarbeitsplatz mithalten. Dennoch ist der Klang für den Schnitt eines Social Media-Videos ausgeglichen genug. Durch die 3,5 mm-Miniklinkenbuchse lassen sich aber auch professionelle Kopfhörer anschließen, mit denen man dann auch mobil auf Referenzniveau schneiden kann.
Apropos direkt anschließen: Das Laptop hat noch eine Buchse für die direkte Kommunikation mit dem Netzwerk – auch das ist etwas inzwischen Seltenes, was aber gerade bei Events, zum Beispiel für die Steuerung von Videohardware, von enormer Bedeutung ist. So kann man den Dell Pro Max gut als virtuellen Mischer oder zur Mischersteuerung nutzen. Genau in diesem Nutzungsumfeld spielt dann auch das Display mit Touchfunktion seine Stärke aus – das bei uns ansonsten eigentlich ungenutzt blieb. Hintergrund dazu: Am Arbeitsplatz steht das Laptop zu weit weg und unterwegs nerven die Fingertapser auf dem doch recht spiegelnden Display. Da greift mal lieber zum Touchpad, das seine Arbeit gut verrichtet.
Kleiner Wehrmutstropfen des ansonsten hervorragenden Kühlkonzepts ist der vermehrte Staubablagerung unten am Bildschirm. Ein einfaches Mikrofasertuch schafft hier aber schnell Abhilfe.
FAZIT
Manchmal tut es weh, ein Gerät nach dem Test wieder zum Hersteller zurückschicken zu müssen. Das Dell Pro Max 16 Plus ist definitiv so ein Fall, denn nicht einen Absturz in elf Monaten Dauertest hatten wir bisher noch nie. Mehr noch, weder störte das Laptop mit lauter Lüfter-Dauerbeschallung noch mit unangenehmen Gehäusetemperaturen, stattdessen verrichtete es im besten Sinne unauffällig seine Arbeit – und das unter Dauerstress mit vielen gleichzeitig bedienten, rechnerintensiven Programmen. Die Organisation wichtiger Updates im SupportAssist stellt zudem sicher, dass Hardware-Treiber immer auf dem neuesten Stand bleiben.
Dabei muss man den relativ sperrigen und schweren Pro Max 16 Plus weniger als mobilen Schnittrechner, sondern vielmehr als ausgewachsene Workstation sehen, die im Falle des Falles auch mobil sein kann – beispielsweise auf Reisen im Hotel oder bei Veranstaltungen im Hintergrund oder im Pressezentrum. Auch der Preis eines vollausgestatten Systems katapultiert das Laptop direkt in die Profiliga, wo Geräte mindestens bis zur vollständigen Abschreibung tadellos funktionieren müssen. Der Dauertest ist zwar kürzer als der Abschreibungszeitraum, doch er hat ein zuverlässiges wie leistungsfähiges Arbeitspferd offenbart, auf das man sich jahrelang verlassen kann.
+zuverlässig ohne Absturz + Update-Management im SupportAssist + Kühlkonzept auch unter Volllast o bauartbedingt relativ schwer und sperrig - vergleichsweise teuer
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